DEUTSCHES INSTITUT FÜR ENTWICKLUNGSPOLITIK

(DIE)

Stärkung technologischer Kompetenz in Entwicklungsländern

Wolfgang Hillebrand
Dirk Messner
Jörg Meyer-Stamer

Berlin 1994

Vorwort

Industrie-, Entwicklungs- und Transformationsländer stehen gleichermaßen vor der Herausforderung, ihre Wettbewerbskraft zu erhöhen und ein ökologisch und sozial verträgliches Entwicklungskonzept umzusetzen. Der Nutzung von Wissenschaft und Technologie kommt in diesem Kontext eine entscheidende Bedeutung zu, wobei es für jedes Land wichtig ist, den für seine spezifische Problemlage richtigen Technologie-Mix zu finden und anzuwenden. Voraussetzung hierfür ist eine hinreichend entwickelte technologische Kompetenz, d.h. die Fähigkeit, das jeweilige Technologieangebot zu überblicken, Technologien zu bewerten und auszuwählen, sie zu nutzen, anzupassen, zu verbessern und schließlich eigenständig weiterzuentwickeln.

In seinem Jahresbericht für 1993 stellt das Development Assistance Committee (DAC) der OECD fest, daß von einer Technischen Zusammenarbeit, die auf die Stärkung der technologischen Kompetenz in Entwicklungsländern ausgerichtet wird, potentiell enorme Hebelwirkungen zur Förderung des Entwicklungsprozesses ausgehen. Vom DAC, der Weltbank und dem Entwicklungshilfeprogramm der Vereinten Nationen werden daher zur Zeit Untersuchungen durchgeführt, um diesen Problemkomplex genauer zu durchleuchten.

Die vorliegende Arbeit ordnet sich in diesen Diskussionszusammenhang ein. Basierend auf sechs Länderfallstudien (Bolivien, Argentinien, Tansania, Simbabwe, Indonesien, Thailand) wird insbesondere eine Sichtweise entwickelt, wie die technologische Kompetenz in Entwicklungsländern durch bilaterale Technische Zusammenarbeit wirksam gestärkt werden kann. Die in dieser Studie erarbeiteten Schlußfolgerungen dürften auch für die Zusammenarbeit mit Transformationsländern von Bedeutung sein.

Berlin, 1994

  • Inhalt
  • Vorwort
  • Zusammenfassung I
  • 1 Technologie und Entwicklungszusammenarbeit - Einführende
    Überlegungen 1
  • 2 Ausgangspunkt, Ziel und Hauptfragestellungen der Serienevaluierung "Technologieauswahl" 2
  • 2.1 Technologiebegriff 3
  • 2.2 Schaffung technologischer Kompetenz in Entwicklungsländern 5
  • 2.3 Ziel der Serienevaluierung 8
  • 2.4 Hauptfragestellungen 8
  • 2.5 Untersuchungsmethodik 9
  • 2.6 Ausgangshypothesen und Untersuchungsbereiche 9
  • 3 Probleme der Entwicklung technologischer Kompetenz in den untersuchten Ländern - Anforderungen an die Technische Zusammenarbeit 10
  • 3.1 Bolivien 10
  • 3.2 Argentinien 13
  • 3.3 Tansania 14
  • 3.4 Simbabwe 15
  • 3.5 Indonesien 17
  • 3.6 Thailand 19
  • 3.7 Exkurs: Singapur 20
  • 4 Befunde zu den Untersuchungskriterien Effektivität, Effizienz, Nachhaltigkeit und Signifikanz 21
  • 4.1 Effektivität 21
  • 4.2 Effizienz 23
  • 4.3 Nachhaltigkeit 24
  • 4.4 Signifikanz 24
  • 4.5 Das Spannungsverhältnis von Nachhaltigkeit und Signifikanz 26
  • 4.6 Besondere Anforderungen an signifikante Projekte 28
  • 5 Schlußfolgerungen und Empfehlungen für die technologieorientierte Technische Zusammenarbeit 28
  • 5.1 Hauptprobleme und ziele technologieorientierter Technischer Zusammenarbeit 28
  • 5.2 Empfehlungen zu einzelnen Säulen technologischer Kompetenz 33
  • 5.3 Empfehlungen nach Ländertypen 35
  • 5.3.1 Technologieorientierte Projekte in weniger fortgeschrittenen Entwicklungsländern 35
  • 5.3.2 Technologieorientierte Projekte in fortgeschrittenen Entwicklungsländern 37
  • 5.4 Verbesserung des Prozesses der Projektidentifizierung, planung
    und durchführung 39
  • 5.5 Präferenz für signifikante Vorhaben 40
  • Anlage 44
  • Literatur 45
  • 1 Länderberichte der Serienevaluierung Technologieauswahl 45
  • 2 Ausgewählte Literatur zum Thema Nachhaltigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit 45
  • 3 Ausgewählte Literatur zum Thema Stärkung technologischer Kompetenz 45
  • Abkürzungsverzeichnis

    AIT - Asian Institute of Technology (Bangkok)
    AT - Angepaßte Technologie
    BMFT - Bundesministerium für Forschung und Technologie
    BMZ - Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
    CEPAL - Comisión Económica para América Latina y el Caribe
    COCOM - Coordinating Committee for Multilateral Export Controls
    DAC - Development Assistance Committee (OECD)
    DC - Developing Country
    DEG - Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft
    DIE - Deutsches Institut für Entwicklungspolitik
    EZ - Entwicklungszusammenarbeit
    FZ - Finanzielle Zusammenarbeit
    FuE - Forschung und Entwicklung
    GSI - German-Singapore Institute (Singapur)
    GTZ - Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit
    IBD - Integrierter Beratungsdienst für die Wirtschaft
    INTI - Instituto Nacional de Tecnología (Buenos Aires)
    IPI - Institute for Production Innovation (Dar-es-Salaam)
    ISI - Importsubstituierende Industrialisierung
    IWF - Internationaler Währungsfonds
    KMI - Klein- und Mittelindustrie
    LDC - Least Developed Country
    MNPQ - Meßwesen, Normung, Prüfwesen, Qualitätssicherung
    MuE - Projektmonitoring und evaluierung
    NIC - Newly-industrializing Country
    TZ - Technische Zusammenarbeit
    UNCED - United Nations Commission for Environment and Development
    UNIDO - United Nations Industrial Development Organization
    ZOPP - Zielorientierte Projektplanung

    Zusammenfassung

    1. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, die Armut zu bekämpfen und ein umweltverträgliches Entwicklungskonzept durchzusetzen, sollte jedes Entwicklungsland ein relativ breites Spektrum von Einfach- bis Hochtechnologien nutzen. Voraussetzung hierfür ist eine hinreichend entwickelte technologische Kompetenz. Diese beinhaltet die Fähigkeit, das jeweilige Technologieangebot zu überblicken, Technologien zu bewerten und auszuwählen, sie zu nutzen, anzupassen, zu verbessern und schließlich eigenständig weiterzuentwickeln.

    2. Zur Entwicklung von technologischer Kompetenz bedarf es erheblicher Eigenanstrengungen. Diese können durch Technologietransfer unterstützt werden. Ein wichtiger Transfermechanismus ist die Entwicklungszusammenarbeit, insbesondere die Technische Zusammenarbeit (TZ). Diese zielt auf die Übertragung von Know-how in Entwicklungsländer, um dort die Problemlösungskapazität zu verbessern. Von ihrer Grundausrichtung her ist TZ daher prädestiniert, den Prozeß der Entwicklung von technologischer Kompetenz zu unterstützen.

    3. Technologische Kompetenz ruht auf vier Säulen: der Imitations- und Innovationsfähigkeit von Unternehmen, innovationsfördernden Rahmenbedingungen, technologieorientierten Institutionen sowie einem leistungsfähigen Bildungssystem. Das eigentlich Wichtige ist jedoch nicht der Auf- oder Ausbau einzelner Institutionen, sondern ihre Einbindung in technologische Netzwerke. Das Kernelement zur Stärkung von technologischer Kompetenz ist daher der enge Verbund zwischen den vier Säulen. Entsprechend hängt der Erfolg technologieorientierter TZ-Projekte entscheidend von ihrer Einbindung in das jeweilige sektorale und/oder regionale Projektumfeld ab. Technologieorientierte TZ erfordert also insbesondere, zum Aufbau von Verbundsystemen beizutragen bzw. die Einbindung des jeweiligen TZ-Beitrages in vorhandene Strukturen sicherzustellen. Mit anderen Worten: technologieorientierte TZ ist in besonderer Weise gefordert, einen auf Strukturbildung ausgerichteten Beitrag zu leisten.

    4. TZ-Maßnahmen können an allen vier Säulen ansetzen. Projekte, die auf die Stärkung der Imitations- und Innovationsfähigkeit einzelner Unternehmen oder von Unternehmensgruppen abstellen, laufen allerdings schnell Gefahr, den Wettbewerb zu verzerren. TZ sollte daher vorrangig auf der überbetrieblichen Ebene ansetzen. Projekte, die auf die Stärkung der dritten und vierten Säule abzielen, z.B. durch die Förderung von Managementinstituten, Innovationsberatungsstellen, Institutionen im Bereich Meßwesen, Normung, Prüfwesen und Qualitätssicherung (MNPQ) bzw. von technologieorientierten Bildungsinstitutionen, dürfen sich jedoch nicht auf die Stärkung der internen Strukturen der jeweiligen Trägerorganisation beschränken. Sie müssen auch dem systemischen Charakter von technologischer Kompetenz Rechnung tragen, was insbesondere heißt, daß eine enge Verbindung zum produktiven Sektor (erste Säule) hergestellt werden muß.

    5. Technologieorientierte TZ muß sich auf einen sehr heterogenen Bedarf der Partnerländer einstellen. Arme Länder wie Bolivien und Tansania verfügen weder über eine explizite Technologiepolitik noch über leistungsfähige Technologie- und Bildungsinstitutionen. Unter diesen Bedingungen wird es häufig erforderlich sein, substantielle personelle und finanzielle Ressourcen bereitzustellen, um einen fühlbaren Beitrag zur Stärkung von technologischer Kompetenz leisten zu können. Projekte zum Auf- oder Ausbau von Technologie- oder Bildungsinstitutionen können durchaus - wie sich im Falle Tansanias, Boliviens und Indonesiens bzw. auch in der frühen Entwicklungsphase von Thailand zeigte - einen relativ langen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren benötigen. In fortgeschrittenen Ländern wie Argentinien oder Thailand existiert demgegenüber heute eine Vielzahl technologierelevanter Institutionen. Die Innovationssysteme sind jedoch durch Fragmentierung und Ferne zum produktiven Sektor gekennzeichnet. Unter diesen Bedingungen kann ein strukturbildender Beitrag zur Stärkung von technologischer Kompetenz häufig durch TZ-Projekte erreicht werden, die auf die Schnittstellen zwischen Unternehmen sowie privaten und staatlichen Institutionen ausgerichtet sind, um so die Entwicklung von Verbund- oder Trägersystemen zu fördern.

    6. Die Orientierung auf technologiebezogene Projekte mit einer strukturbildenden Dimension spricht die entwicklungspolitisch entscheidende Frage an, ob Projekterfolge in fühlbare Entwicklungserfolge umgesetzt werden können. Eine solche Orientierung vermeidet eine zu enge Projektsicht, die vorrangig auf die Frage abstellt, ob ein Projekt als solches funktioniert, also "effektiv" ist. Vorhaben, die darauf angelegt sind, strukturbildende Effekte zu entfalten, stellen wie andere Projekte mit signifikanten Wirkungen (sektorale und/oder regionale Breitenwirksamkeit; Wiederholbarkeit) allerdings besonders hohe Anforderungen an den Projektfindungs-, -planungs- und -durchführungsprozeß. Erstens kann insbesondere in Ländern mit geringer technologischer Kompetenz häufig nicht von hinreichend günstigen Rahmenbedingungen ausgegangen werden; diese müssen von den Projekten vielmehr mitgestaltet werden. Zweitens müssen in Projekten mit sektoraler und/oder regionaler Breitenwirksamkeit bzw. Modellcharakter ein leistungsfähiger Träger oder eine tragfähige Trägerstruktur oft erst aufgebaut werden. Drittens reicht es nicht aus, die Binnenstruktur eines Projektes zu optimieren; dieses muß vielmehr aktiv in das sektorale und/oder regionale Umfeld eingebettet werden. Viertens erfordert die Orientierung auf signifikante Projekte eine stärkere Zusammenarbeit sowohl zwischen dem Nehmerland und den jeweiligen Geberländern als auch eine bessere Abstimmung zwischen den Gebern. Letztere ist vor allem erforderlich, damit Entwicklungszusammenarbeit nachhaltig und signifikant zur Stärkung der Strategiefähigkeit der nationalen Akteure in den Partnerländern beiträgt. Verbesserte Geberkoordinierung ist somit eine wesentliche Dimension einer auf Signifikanz ausgerichteten Entwicklungszusammenarbeit (EZ). Und fünftens wachsen die Anforderungen an die Projektplanung und das Projektmanagement generell mit steigender Komplexität eines Projektes.

    7. Eine auf Signifikanz zielende technologieorientierte TZ kann mit der Forderung, daß TZ letztlich darauf abstellen muß, nachhaltige Projekterfolge zu erzielen, in einem Spannungsverhältnis stehen, da Nachhaltigkeit in wenig komplexen Projekten vergleichsweise leichter zu erreichen ist. Das Spannungsfeld sollte jedoch nicht dadurch aufgelöst werden, daß auf anspruchsvolle Projekte mit signifikanten Wirkungen verzichtet wird. Vielmehr muß es auf der Projektebene darum gehen, zwischen Signifikanz und Nachhaltigkeit ein ausgewogenes Verhältnis zu finden. Dies setzt insbesondere voraus, daß die höheren Risiken, die mit komplexeren Projekten verbunden sind, wirksam begrenzt und kontrolliert werden können.

    8. Die Begrenzung des Nachhaltigkeitsrisikos erfordert zum einen die Beachtung sämtlicher Kriterien, die heute für eine effektive und effiziente Projektplanung und -durchführung als wesentlich angesehen werden. Hierzu gehören insbesondere eine sorgfältige Analyse des Projektumfeldes, des Leistungsstandes und des Entwicklungspotentials des Projektträgers bzw. des Netzes von Trägerorganisationen (Trägersysteme), eine frühzeitige Einbeziehung der Zielgruppen, eine präzise Analyse ihrer jeweiligen Problemlage und Bedarfssituation, eine realistische Abschätzung der zur Durchführung des Projektes erforderlichen personellen und finanziellen Ressourcen sowie des Zeitbedarfs. Weitere wichtige Ansatzpunkte, um die Risiken eines Fehlschlages von signifikanten Projekten zu vermindern, sind die gezielte Nutzung von Orientierungsphasen sowie eine deutliche Schwerpunktsetzung der bilateralen technologieorientierten TZ, und zwar vor allem auf solche Bereiche, in denen die deutsche Seite über besondere Angebotsstärken verfügt. Hierzu gehören beispielsweise die Bereiche berufliche Bildung, MNPQ sowie Umwelt- und Energietechnologien.

    9. Das Spannungsfeld, in dem eine auf Signifikanz und zugleich Nachhaltigkeit abstellende technologieorientierte TZ sich befindet, erscheint unter den genannten Voraussetzungen als weitgehend beherrschbar. Insofern sollte in diesem Feld Signifikanz zu einem ebenso zentralen Kriterium der Projektauswahl und Programmpolitik gemacht werden wie Effektivität, Effizienz und Nachhaltigkeit.

    10. Nachhaltigkeit und Signifikanz einer technologieorientierten TZ kann weiter dadurch gesteigert werden, daß der Know-how Fluß aus Deutschland während der Projektlaufzeit verbreitert wird. Der Know-how Transfer erfolgt in allen Projekten überwiegend über Langzeit- und Kurzzeitexperten. Andere Technologiequellen wie Universitäten, Fraunhofer-Institute, Verbände, Steinbeiß-Stiftung, Unternehmen werden nur unzureichend genutzt.

    11. Ein breiter und kontinuierlicher Technologietransfer kann zugleich auch als Vorstufe für eine langfristig anzustrebende Technologiekooperation angesehen werden. Diese erfordert u.a. auch eine bessere Koordination der Aktivitäten von BMZ und BMFT. Insbesondere sollte sichergestellt werden, daß sich die jeweiligen Stärken sinnvoll ergänzen. Die besonderen Stärken des BMZ liegen im Bereich des institution-building, diejenigen des BMFT im Bereich der Förderung konkreter wissenschaftlich-technologischer Kooperationsvorhaben unter Beteiligung deutscher FuE-Einrichtungen sowie der deutschen Wirtschaft.

    Um diese Komplementarität der Stärken nutzen zu können, ist vor allem eine bessere Koordination zwischen beiden Ressorts auf Arbeitsebene erforderlich. Besonders wichtig sind ein enger gegenseitiger Informationsaustausch über jeweils geplante größere Kooperationsvorhaben oder -programme sowie eine frühzeitige Abstimmung über die von den beiden Ressorts jeweils zu verantwortenden bzw. zu finanzierenden Projektkomponenten. Ein besonders großes Potential bieten solche Projekte, die sowohl nationale technologische Potentiale aktivieren und bündeln, als auch zur Intensivierung der bilateralen technologischen und/oder wirtschaftlichen Kooperation beitragen.

    1 Technologie und Entwicklungszusammenarbeit - Einführende Überlegungen

    Technische Zusammenarbeit (TZ) zielt in erster Linie auf die Stärkung der Problemlösungsfähigkeit der Entwicklungsländer. Leitendes Prinzip der TZ ist Hilfe zur Selbsthilfe, denn Entwicklungsprozesse können einer Gesellschaft nicht von außen aufgezwungen werden, sondern müssen in ihrer Mitte entstehen. Eine zentrale Dimension gesellschaftlicher Entwicklung ist die Entfaltung der Produktivkräfte. Voraussetzung dafür ist die Existenz von technologischer Kompetenz, d.h. der Fähigkeit, das Angebot an Technologiekomponenten zu überblicken, eine Technologie abzuschätzen und auszuwählen, sie zu nutzen, anzupassen und zu verbessern und schließlich selber Technologien zu entwickeln. Technologische Kompetenz ist eine zentrale Voraussetzung für die Fähigkeit zur Selbsthilfe, und die Unterstützung des Aufbaus technologischer Kompetenz damit ein zentraler Bestandteil der TZ.

    Aufbau technologischer Kompetenz ist daher seit langem ein wichtiges Ziel der TZ im engeren Sinne. Bestimmte Typen von Projekten zielen direkt und unmittelbar auf den Aufbau bzw. die Stärkung technologischer Kompetenz. Dazu gehören Projekte der beruflichen Bildung, der Aufbau von Technologieinstituten und Universitätsfachbereichen, Projekte im Bereich der angepaßten Technologie (AT) oder das ISAT-Projekt (Informationsdienst für die Anpassung und Verbreitung von Technologien) sowie MNPQ-Projekte (Meßwesen, Normung, Prüfwesen, Qualitätssicherung). Hinzu kommen Aktivitäten zur Förderung der Privatwirtschaft - so der Integrierte Beratungsdienst für die Wirtschaft - die auch durch FZ (z.B. das Niederlassungs- und Technologieprogramm) ergänzt werden. In den meisten anderen TZ-Projekten ist die Stärkung der technologischen Kompetenz ein wichtiges implizites Element der Zielfunktion.

    Zwei Schwachstellen der bisherigen Praxis werden heute deutlich: Die explizit auf die Stärkung technologischer Kompetenz ausgerichteten Projekte waren nicht ausreichend miteinander verknüpft und in das wirtschaftliche Umfeld eingebunden; in den anderen Projekten wurden potentielle Beiträge zum Aufbau von nationalen Innovationssystemen kaum beachtet und daher selten genutzt.

    Das zentrale Argument dieser Studie ist daher, daß die technologieorientierte TZ mehr als bisher auf Vernetzung und Vermittlung, d.h. auf die Unterstützung von Eigenanstrengungen und auf Struktur- und Systembildung ausgerichtet sein sollte. Hierzu ist eine über das einzelne Projekt hinausgehende, systemische Sichtweise der TZ sowie intensivere Zusammenarbeit mit anderen Gebern wichtig. Auch jene Projekte der TZ, die nicht direkt auf die Stärkung technologischer Kompetenz und Technologietransfer gerichtet sind, sollten zur Entwicklung der technologischen Kompetenz beitragen.

    Die Bedeutung von Technologie wird für Entwicklungsländer aus vier Gründen weiter zunehmen:

    Technologieorientierter TZ wird daher in Zukunft eine zunehmende Bedeutung zukommen. Überkommene Gegenüberstellungen - High-tech vs. angepaßte Technologie oder moderne vs. traditionelle Technologie - helfen bei ihrer konzeptionellen Orientierung nicht weiter. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, den goldenen Schnitt zwischen zwei Faktoren zu finden:

    Innerhalb der Zielhierarchie der deutschen Entwicklungspolitik kommt der Steigerung der ökonomischen und ökologischen Effizienz und der möglichst raschen Orientierung der Entwicklungsländer an internationaler Wettbewerbsfähigkeit eine hohe Bedeutung zu. In der Entwicklungszusammenarbeit sollte die Stärkung ökonomischer Effizienz zu Zielen wie der Frauenförderung, der Armutsbekämpfung oder dem Umwelt- und Ressourcenschutz in einem komplementären Verhältnis stehen. So wird z.B. eine Sozialpolitik zur Bekämpfung der absoluten Armut nur dann finanzierbar sein, wenn es gelingt, einen leistungsfähigen Wirtschaftssektor aufzubauen.

    2 Ausgangspunkt, Ziel und Hauptfragestellungen der Serienevaluierung "Technologieauswahl"

    In der DAC Expert Group on Aid Evaluation ist seit einiger Zeit die Frage nach der Auswahl von Technologie in EZ-Projekten Gegenstand von Erörterungen. Ausgangspunkt der Diskussion ist die Erfahrung, daß in vielen Entwicklungsprojekten Techniken eingesetzt und Technologien transferiert wurden, die sich als nicht funktional erwiesen. Diese Diskussion gab im Technologie-Referat des BMZ den Anlaß zu Überlegungen, die Technologieauswahl in deutschen Projekten, zunächst der TZ, zu evaluieren.

    Im Verlauf der Vorbereitungen wurde allerdings Einvernehmen darüber erzielt, daß die ursprüngliche Fragestellung der Serienevaluierung "Technologieauswahl" als zu eng anzusehen sei. Für jedes Land - auch für LDCs - kommt im Prinzip ein breites technologisches Spektrum von low tech bis high tech in Frage (technologischer Pluralismus). Auf der Ebene eines einzelnen TZ-Projektes ist die Frage der richtigen Technologiewahl zwar wichtig, da für ein gegebenes Ziel/Problem das jeweils "richtige" Maßnahmebündel gefunden werden muß, um das Ziel zu erreichen bzw. das Problem zu lösen. Die Ausgestaltung des "richtigen" Maßnahmebündels ist zentraler Gegenstand der Projektvorbereitung, in der auch die jeweils relevanten "technologischen" Alternativen zu diskutieren sind. Die in der DAC-Diskussion vorherrschende Sichtweise - die Optimierung der Technologiewahlentscheidung durch Geber - ist jedoch fragwürdig und wird dem deutschen System der Projektvorbereitung, das durch eine starke Beteiligung der Nehmerseite gekennzeichnet ist, nicht gerecht.

    Die Hauptstoßrichtung der Serienevaluierung wurde deshalb verändert und in den Zusammenhang "Entwicklung von technologischer Kompetenz in Entwicklungsländern" gestellt. Diese Problematik ist in den letzten Jahren von den Entwicklungsländern immer stärker thematisiert worden. Leitende Fragestellung der Evaluierung war: Welchen Beitrag leisten technologieorientierte TZ-Projekte zum Aufbau bzw. zur Stärkung technologischer Kompetenz in den Empfängerländern?

    2.1 Technologiebegriff

    Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition des Begriffs Technologie. Faßt man die verbreiteten Begriffsfassungen zusammen, so lassen sich zwei Varianten - eine enge und eine weite Definition - eingrenzen.

    Im engeren Sinne ist Technologie das Know-how zur Entwicklung und Anwendung technischer Verfahren. Es existiert gebunden in Maschinen und Anlagen, ungebunden in Form von Blaupausen und Anleitungen. Technologietransfer ist die Übertragung dieses Know-hows. Der Begriff Technologietransfer wird häufig synonym für den internationalen Transfer zwischen den Industrieländern bzw. aus den Industrie- in die Entwicklungsländer gebraucht; doch auch die Diffusion von Know-how innerhalb der Grenzen eines Landes wird häufig als Technologietransfer bezeichnet.

    Die enge Begriffsfassung hat auf den ersten Blick den Vorteil, handhabbar zu sein. Ihr Nachteil ist jedoch, daß ihre Anwendung die Gefahr birgt, die komplementären Faktoren aus dem Blickfeld zu verlieren. Komplementäre Faktoren, ohne die der Einsatz von Technologie nicht sinnvoll ist, sind vor allem Qualifikation (der Menschen, die mit Technologien operieren) und Organisation (d.h. die Einbindung der Technologie in soziale Zusammenhänge und betriebliche Abläufe).

    Eine enge Begriffsfassung und eine entsprechende Sicht- und Herangehensweise ist jedoch aus drei Gründen nicht sinnvoll:

    Eine weite Definition von Technologie, die diesen Problemen Rechnung trägt, umfaßt vier Komponenten:

    Alle Komponenten von Technologie umfassen ein breites Spektrum:

    Abhängig von der konkreten Situation sind jeweils sehr unterschiedliche Kombinationen unter diesen Faktoren möglich. Umgekehrt ist keine Kombination die eine beste, die es unter allen Umständen anzustreben gilt - weder ist im produzierenden Gewerbe überall High-tech angesagt, noch lieferten Einfachtechnologien in armen Ländern notwendigerweise die besten Lösungen. Vielmehr ist es ein zentrales Element technologischer Kompetenz (auf Geber- wie auf Nehmerseite), offene Such- und Lernprozesse zu organisieren, in denen eine geeignete Kombination von Technologiekomponenten gefunden wird.

    Die weitere Definition ist in der internationalen entwicklungspolitischen Diskussion verbreitet. Sie hat den Vorzug, unfruchtbare Diskussionen vermeiden zu helfen, weil sie z.B. der Gleichsetzung von technischen Artefakten und Technologie vorbeugt. Tatsächlich ist vor dem Hintergrund dieser Definition leichter nachvollziehbar, daß immer Technologie im Spiel ist, wenn produziert wird - auch dann, wenn dabei scheinbar primitive technische Artefakte eingesetzt werden. Für die vorliegende Evaluierung wurde der weite Technologiebegriff verwandt.

    2.2 Schaffung technologischer Kompetenz in Entwicklungsländern

    Technologische Kompetenz ist auf der Ebene eines Landes mehr als die Summe der Kompetenz von Individuen, Unternehmen und Institutionen. Sie entsteht auf nationaler Ebene durch die Interaktion zwischen vier Säulen:

    1. der Innovationsfähigkeit auf der Ebene des Unternehmens - unabhängig davon, ob dies ein kleinbäuerlicher Betrieb, ein Mikrounternehmen im informellen Sektor oder ein international agierender Konzern ist,
    2. den wirtschaftlichen, politischen, administrativen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die entscheidend dafür sind, daß Anreize zur Entwicklung technologischer Kompetenz existieren,
    3. der direkten Unterstützung durch technologieorientierte staatliche Institutionen, intermediäre Organisationen und bestimmte Arten von Dienstleistungsunternehmen,
    4. der indirekten Unterstützung, insbesondere durch das Bildungssystem. (Schaubild 2)

    Erste Säule: Innovationspotential auf der Unternehmensebene

    Die Existenz von technologischer Kompetenz in einer Volkswirtschaft steht und fällt mit der Existenz von innovationsfähigen Unternehmen bzw. von Unternehmen, die zur raschen Übernahme und Anpassung vorhandener Technologien in der Lage sind; ohne diese sind die drei anderen Säulen wirkungslos. Innovations- bzw. imitationsfähige Unternehmen bauen im Idealfall auf drei Elemente:

    Ein wichtiges Element ist technologisches Lernen, d.h. die Beherrschung und daran anschließend die kontinuierliche Verbesserung von Produktionsprozessen in (landwirtschaftlichen oder industriellen) Betrieben. Der Umfang und Erfolg des technologischen Lernens hängt nicht in erster Linie von der Natur der jeweiligen Technologie ab. Bedeutsam sind Umfeldfaktoren wie etwa der Wettbewerbsdruck; es hat sich gezeigt, daß unter dieser Voraussetzung der Lernprozeß schneller abläuft. Technologisches Lernen ist mehr als nur "learning by doing", das im allgemeinen von selbst stattfindet. In erfolgreichen Unternehmen ist es das Ergebnis bewußter Entscheidungen des Managements, das mit einem einmal erreichten Effizienzniveau nicht zufrieden ist und die Ressourcen bereitstellt, die für kontinuierliche "inkrementelle" Verbesserungen notwendig sind. Dazu gehören etwa Fortbildungsprogramme für Mitarbeiter, materielle Anreize für kontinuierliche Verbesserungen oder die Durchführung z.B. von Qualitätszirkeln in der bezahlten Arbeitszeit.

    Eine wichtige Voraussetzung für Lernprozesse ist eine enge Interaktion zwischen den Entwicklern und den Nutzern von Technologie, z.B. als enger Kontakt zwischen einem Produzenten und zumindest einigen seiner Kunden oder als enger Kontakt zwischen einer EZ-Agentur oder einer AT-Organisation und ihrer Zielgruppe. Diese Interaktion ist eine zentrale Voraussetzung dafür, daß in einem gegebenen Zusammenhang die angemessene Technologie ausgewählt wird und der Anpassungsprozeß nicht im luftleeren Raum, sondern gezielt entsprechend dem Bedarf der Anwender stattfindet.

    Zweite Säule: Innovationsfördernde Rahmenbedingungen

    In vielen Ländern hat sich trotz der Existenz mancher Voraussetzungen kaum technologische Kompetenz herausgebildet - weil dazu keine ausreichenden Anreize bestanden. Viele Entwicklungsländer haben in der Vergangenheit eine Strategie importsubstituierender Industrialisierung (ISI) verfolgt. Diese ist für Lateinamerika konzeptionell dargelegt in Studien der CEPAL, die seit den fünfziger Jahren erstellt wurden; in Afrika zielt z.B. der Lagos Plan of Action von 1980 eindeutig in diese Richtung; in Asien war insbesondere Indien ein prominenter Anhänger dieser Strategie. Die ISI ist heute aufgrund immanenter Schwächen als gescheitert anzusehen; es lassen sich mit den Begriffen Wachstumskrise, Produktivitätskrise, Verschuldungskrise, soziale Krise und Krise des Staates fünf Ursachenbündel benennen.

    Im Kontext des Aufbaus technologischer Kompetenz ist insbesondere die Produktivitätskrise von Bedeutung: Hinter hohen Zollschranken bestand mangels innerem und äußerem Wettbewerb kaum Druck zur kontinuierlichen Verbesserung von Effizienz und Qualität, d.h. zum technologischen upgrading. Mangels Konkurrenzdruck konnten Unternehmen ihre Technologiewahl häufig nach beliebigen Kriterien treffen, und Technologieinstitute konnten ihre Forschungsschwerpunkte willkürlich festlegen, weil die potentiellen Nutzer ihrer Ergebnisse an diesen nicht interessiert waren. Importierte Technologien wurden an den engen Binnenmarkt angepaßt. Infolgedessen vergrößerte sich der Abstand zum internationalen Produktivitätsniveau stetig. Das in den theoretischen Konzeptionen vorgesehene, sukzessive "Hineinwachsen in die Weltwirtschaft" konnte deshalb kaum stattfinden.

    Um technologische Kompetenz zur Lösung drängender nationaler Probleme bzw. zur Herstellung internationaler Wettbewerbsfähigkeit aufzubauen, bedarf es allerdings nicht allein stabiler, wettbewerbsfördernder wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen (funktionsfähiges Preissystem, Wettbewerbs- und Handelspolitik, Finanzsystem). Hinzukommen sollten

    Dritte Säule: Technologieorientierte Institutionen

    Die Innovationsfähigkeit von Unternehmen wird gestützt und gefördert durch staatliche Institutionen, intermediäre Organisationen und spezialisierte Dienstleistungsunternehmen:

    Vierte Säule: Technologieorientierte Bildungsinstitutionen

    Eine unverzichtbare Voraussetzung für den Aufbau von technologischer Kompetenz ist ein Bildungssystem mit den Komponenten

    Vernetzung zur Systembildung

    Das eigentlich wichtige ist nicht die schiere Existenz derartiger Institutionen, sondern ihre Einbindung in technologische Netzwerke, z.B. in Form eines engen Austauschprozesses mit möglichen Anwendern von Technologie, und damit letztlich die Entstehung eines nationalen Innovationssystems. Hier weisen die meisten Entwicklungsländer gravierende Defizite auf. In der Wirtschaft ist die FuE-Kapazität im allgemeinen kaum entwickelt; und die in vielen Ländern gegründeten Forschungseinrichtungen und Technologieinstitute kompensieren dies nur selten. Sie tragen nämlich nicht automatisch zum technologischen Fortschritt im produktiven Sektor bei, sondern zeigen ganz im Gegenteil eine Tendenz, die potentielle nationale Nachfrage zu ignorieren und sich an der internationalen Spitzenforschung zu orientieren. Die auf der Grundlage dieser Orientierung gewonnenen Erkenntnisse passen in den wenigsten Fällen zu den spezifischen Problemen der jeweiligen Länder. Im schlimmsten Fall sind die Einrichtungen einfach ineffektiv.

    Das Kernelement zum Aufbau technologischer Kompetenz ist daher der enge Verbund zwischen den vier Säulen. Dies hat wichtige Auswirkungen auf die TZ. Noch so aufwendige Aktivitäten (z.B. Aufbau von Technologieinstitutionen) verpuffen, wenn die Vernetzung mit dem jeweiligen Projektumfeld nicht gegeben ist und die Interaktionen zwischen den vier Säulen blockiert sind.

    2.3 Ziel der Serienevaluierung

    Die Entwicklung von technologischer Kompetenz ist ein kontinuierlicher Prozeß. TZ sollte diesen Prozeß unterstützen, und zwar insbesondere durch Projekte, die effektiv, effizient, signifikant und nachhaltig sind. Im einzelnen bedeutet dies folgendes:

    Effektivität: Funktioniert das Projekt, und zwar gemessen an den vorgegebenen Zielen? Dient der Mitteleinsatz (d.h. insbesondere auch die Technologieauswahl) der Erreichung des Projektziels?

    Effizienz: Besteht eine vernünftige Relation zwischen Mitteleinsatz und Output?

    Nachhaltigkeit: Können Projektträger bzw. Zielgruppen die mit dem Projekt erreichten Innovationen eigenständig weiterführen oder weiterentwickeln?

    Signifikanz: Ist das Projekt breitenwirksam (sektoral, regional), besitzt es Modellcharakter und ist es wiederholbar in anderen Regionen und Sektoren, trägt es zur Strukturbildung in einem der Subsysteme des nationalen Innovationssystems bei? Das Gegenteil von signifikanten Projekten sind "isolierte Projekte/Projektinseln" ohne Ausstrahlungseffekte, die - selbst wenn sie effizient und effektiv sind - nur geringe entwicklungspolitische Wirksamkeit haben.

    Ziel der Serienevaluierung war es, Informationsgrundlagen zu erarbeiten, die die Identifizierung und das Design von Projekten zur Stärkung der technologischen Kompetenz in/von Entwicklungsländern erleichtern - und zwar von solchen Projekten, die insbesondere den zentralen Erfolgskriterien "Signifikanz" und "Nachhaltigkeit" Rechnung tragen.

    2.4 Hauptfragestellungen

    Projekte, die einen wirksamen Beitrag zur Stärkung von technologischer Kompetenz in Entwicklungsländern leisten wollen, müssen darauf zielen, einen fühlbaren und nachhaltigen Beitrag zur Strukturbildung in einem der Subsysteme des nationalen Innovationssystems zu leisten. Hieraus ergaben sich für die Projektevaluierung fünf Hauptfragestellungen:

    2.5 Untersuchungsmethodik

    In die Serienevaluierung einbezogen wurden jeweils zwei Länder in den drei Kontinenten Asien, Afrika und Lateinamerika. Hierbei handelte es sich um zwei Schwellenländer (Thailand und Argentinien), zwei DCs (Indonesien und Simbabwe) und zwei LDCs (Tansania und Bolivien). Damit wurde vor allem dem Umstand Rechnung getragen, daß Projekte unter sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen, die ja wesentlich für den Projekterfolg sind, operieren.

    Angesichts der äußerst eingeschränkten Möglichkeiten, auf der Grundlage der isolierten Betrachtung einzelner Projekte verallgemeinerungsfähige Schlußfolgerungen zu ziehen (selbst bei 26 Projekten, drei bis fünf pro Land), wurde eine Gruppenbildung nach folgenden Kriterien angestrebt: Einbezogen werden sollten vor allem Projekte,

    Landwirtschaftliche Projekte sowie die bereits querschnittsevaluierten MNPQ-Projekte sollten nicht in die Evaluierung einbezogen werden.

    Vor und nach den jeweiligen Feldaufenthalten fanden Abstimmungsgespräche zwischen den Gutachtern der Teilberichte statt, um eine einheitliche Vorgehensweise zu gewährleisten.

    Neben den Länderfallstudien wurde an die zuvor im DIE erstellten Arbeiten zum Themenbereich Technologie und Entwicklung angeknüpft.

    2.6 Ausgangshypothesen und Untersuchungsbereiche

    1. Auch bei TZ-Projekten zur Unterstützung der Entwicklung technologischer Kompetenz schlagen die in den letzten Jahre isolierten zentralen Erfolgsbedingungen (die u.a. in den jährlichen Querschnittsauswertungen der Evaluierungen dokumentiert sind) durch und müssen entsprechend berücksichtigt werden, insbesondere hinsichtlich ihrer Bedeutung für Signifikanz und Nachhaltigkeit.

    2. Die Ausrichtung der Projektevaluierung, die sich am Hauptziel der Serienevaluierung orientieren muß, impliziert, daß ein besonderes Schwergewicht auf den Punkt 9.3.1 des BMZ-Evaluierungsrasters (insbesondere die Punkte regionale und sektorale Verflechtungswirkungen, technologische Wirkungen, institutionelle Wirkungen, Ausbildungswirkungen und Wirkungen auf Selbsthilfemobilisierung) sowie auf den Punkt 9.4 (Nachhaltigkeit) zu legen ist.

    3. Die hauptsächlichen Untersuchungsfelder für die Projektevaluierung sind die Outputseite des Projektes sowie die Inputseite, hier insbesondere die Analyse des deutschen Inputs und seiner Verknüpfung mit den Inputs des Trägers. Eine vertiefte Analyse der Projektdurchführung und steuerung i.e.S. (vgl. Punkte 7 und 8 des BMZ-Evaluierungsrasters) war nicht Gegenstand der Analyse.

    3 Probleme der Entwicklung technologischer Kompetenz in den untersuchten Ländern - Anforderungen an die Technische Zusammenarbeit

    Die Evaluierung hat gezeigt, daß zur Unterstützung der Entwicklung von technologischer Kompetenz in den einzelnen Ländern jeweils sehr unterschiedliche Ausgangs- und Rahmenbedingungen berücksichtigt werden müssen. Die sich hieraus für die künftige technologieorientierte TZ ergebenden generellen Schlußfolgerungen werden in den folgenden Länderprofilen zusammengefaßt. Für die projektbezogenen Evaluierungsergebnisse sind jeweils die Länderfallstudien heranzuziehen.

    3.1 Bolivien

    Die ökonomische Strukturanpassung ist in Bolivien weit vorangeschritten, so daß es nun darum geht, einige wettbewerbsfähige Wirschaftssektoren aufzubauen. Die Entwicklung nationaler technologischer Kompetenz im produktiven Sektor ist daher besonders wichtig. Bolivien ist durch eine nur geringe Zahl von strategiefähigen nationalen Akteuren charakterisiert. Im strukturpolitischen Bereich fehlt es an Prioritätensetzungen und Orientierungen, so daß eine Strukturbildung "von innen her" bisher nicht gelingt. Welchen Beitrag leisten TZ-Projekte in Bolivien zur Überwindung dieser Problemlage?

    Im Verlauf der Evaluierung wurde deutlich, daß die Technologiewahl in den Projekten im engeren Sinne kein entscheidendes Problem darstellt. Festgestellt wurde zudem, daß die Effektivität und Nachhaltigkeit der Projekte häufig als gesichert gelten können oder zumindest systematisch und gezielt angesteuert und überprüft werden. Auf Projektebene werden also Bausteine für die Stärkung technologischer Kompetenz entwickelt.

    Die Herausforderung besteht darin, diese Projekterfolge in einem strukturschwachen Land wie Bolivien in signifikante Entwicklungsimpulse umzusetzen. Die zentrale Frage ist, wie die Artikulation zwischen den TZ-Vorhaben und dem Umfeld gelingt und ob ein ernsthafter Beitrag zur Strukturbildung geleistet werden kann. Von ihrer Konzeption her waren die bewerteten Projekte überwiegend darauf ausgerichtet, die Binnenstruktur der Vorhaben effektiv und nachhaltig zu gestalten. Der aktiven Gestaltung des Projektumfeldes bzw. der Einbindung der Projekte in den jeweiligen Sektorkontext wurden oft zu geringe Bedeutung beigemessen. Unter den Bedingungen atomistischer Strukturen in den jeweiligen Sektoren konnten die Projekterfolge kaum in signifikante Entwicklungsimpulse umgesetzt werden. Deutlich wurde, daß die Bedeutung von Signifikanz und damit verbundene Anforderungen im Projektzyklus im Vergleich zu den Bewertungskriterien Effektivität und Nachhaltigkeit in den Projektkonzeptionen wie in den Umsetzungsphasen weniger systematisch berücksichtigt wurden.

    Aufgrund der instabilen und leistungsschwachen institutionellen Rahmenbedingungen ist es in Bolivien schwierig, nachhaltige und signifikante Projekte anzusteuern. Aus einer zu engen Projektsicht heraus könnte es daher angeraten erscheinen, möglichst wenig komplexe Vorhaben durchzuführen, um deren Effektivität und Nachhaltigkeit leichter sichern zu können. Zugleich sind gerade in schwachen Ländern wie Bolivien strukturbildende Reformen und die Stärkung nationaler technologischer Kompetenz durch breitenwirksame Maßnahmen in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen aber dringend notwendig.

    Die unüberschaubare Zahl von TZ-Projekten der internationalen Gebergemeinschaft, die üblicherweise von ihrer Reichweite her begrenzt sind, leistet jedoch kaum einen fühlbaren Beitrag zur Strukturbildung "von außen" und kann sogar kontraproduktive Folgewirkungen implizieren: Die atomistischen und diffusen nationalen Strukturen werden überlagert durch eine internationale Zusammenarbeit, die durch eine fehlende Schwerpunktsetzung der Geberländer und -organisationen sowie eine unzureichende Geberkoordinierung gekennzeichnet ist. Diese spezifische Kombination von internen und externen Politikinputs ist in dem donor-driven country Bolivien (Anteil der Gebermittel am Staatshaushalt: ca. 55 %) in allen gesellschaftlichen Sektoren prägend.

    Im Ergebnis werden z.T. in den jeweiligen Sektoren divergierende Politikkonzepte verschiedener Geberorganisationen umgesetzt, was die Stärkung der Strategiefähigkeit der nationalen Akteure und somit eine systematische und dringend erforderliche Strukturbildung erschwert. Die nationalen Institutionen sind nicht in der Lage, die Vielzahl der Vorhaben und die (periodisch wechselnden) Projektkonzeptionen in mittel- und langfristig orientierte nationale Politikstrategien einzubinden. Vielmehr sind die Politiken in den jeweiligen Sektoren Spiegelbild der Umsetzung vielfältiger, nicht notwendigerweise kompatibler Geberaktivitäten, die in der Regel einer engen Projektsicht verhaftet bleiben und ihren Beitrag zur Mitgestaltung des Projektumfeldes und damit zur Strukturbildung selten systematisch berücksichtigen. Während es im Rahmen der Strukturanpassung auf der Ebene der Makroökonomie gelungen ist, die Wirtschaftspolitik zu stabilisieren und dieser eine Richtung zu geben, an der sich die Unternehmen orientieren können (Außenöffnung, Stärkung der Marktkräfte usw.), bleibt die Entwicklung unterhalb der makroökonomischen Rahmenbedingungen richtungslos.

    Die Signifikanz der TZ-Vorhaben könnte durch zwei Projekttypen gesteigert werden:

    Letzteres Vorgehen setzt auf der Nehmerseite das Einverständnis, die Motivation sowie einen angemessenen Eigenbeitrag zu Strukturreformen und auf der Geberseite eine hohe Kompetenz sowie die Bereitschaft zu einem längerfristigen und umfassenderen Engagement voraus.

    Aus der Evaluierung ergibt sich, daß signifikante und nachhaltige TZ-Vorhaben ihre zu enge Projektsicht überwinden müssen, was hohe Anforderungen an die Projektplanung und durchführung stellt, profundes Know-how über das Projektumfeld voraussetzt und Orientierungsphasen sinnvoll erscheinen läßt. Ein systematischer Ansatz zur Stärkung der technologischen Kompetenz in Bolivien sollte im einzelnen folgende Punkte berücksichtigen:

    Hieraus folgt, wie wichtig es ist, im Rahmen einer technologieorientierten TZ mit Bolivien künftig zu einer deutlicheren Schwerpunktsetzung zu kommen. Auf Breitenwirksamkeit und Strukturbildung in ausgewählten Sektoren ausgerichtete technologieorientierte Zusammenarbeit ist gerade in schwachen Ländern notwendig, aber auch kompliziert. Die problemlose Abwicklung von Projekten und Nachhaltigkeit ist eher in kleinen, wenig komplexen Vorhaben zu sichern. Der Fall Bolivien zeigt jedoch nachdrücklich, daß es in diesem Land nicht an vielfältigen Projektinitiativen der Gebergemeinschaft, sondern an systematischen Beiträgen zur Stärkung der Strategiefähigkeit der nationalen Akteure, zur Strukturbildung und sukzessiven Entwicklung von auf Kohärenz zielende Sektorpolitiken mangelt.

    3.2 Argentinien

    Die wirtschaftliche und soziale Situation in Argentinien ist durch den raschen Prozeß der Außenöffnung gekennzeichnet. Die neuen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen entwerten einen Teil der produktiven Kapazitäten des Landes und stellen auch die Institutionen, die den Unternehmenssektor unterstützen sollen (Ausbildungseinrichtungen, Technologiezentren usw.), unter Anpassungdruck. Unter diesen Bedingungen kommt der Zusammenarbeit mit Argentinien im Technologiebereich eine wichtige Bedeutung zu. Die nachhaltige Steigerung technologischer Kompetenz wird zu einer wichtigen Bedingung für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die bisherigen Strukturanpassungsreformen sind auf die Makropolitik konzentriert; die institutionellen und technologischen Dimensionen des Umbruchprozesses werden weitgehend ausgeklammert.

    Diese Diagnose verweist auf den gleichen Sachverhalt, der z.B. auch in Bolivien konstatiert wurde. Dennoch sind in Argentinien die Ausgangsbedingungen für die Steigerung technologischer Kompetenz gänzlich verschieden von der Situation in sehr strukturschwachen Ländern wie Bolivien oder Tansania. Das argentinische Innovationssystem ist dadurch gekennzeichnet, daß

    Der Abstand zum internationalen Technologieniveau ist demnach geringer als in den meisten lateinamerikanischen Ökonomien. Das Innovationssystem ist vor allem durch Fragmentierung und seine Ferne zum produktiven Sektor charakterisiert. Es gilt in Argentinien, einen Beitrag dazu zu leisten, die vorhandenen Akteure zu mobilisieren, deren Effektivität und Effizienz zu steigern, die Fragmentierung durch die Ansteuerung von Verbundsystemen zu überwinden und die technologierelevanten Einrichtungen rasch an den Unternehmenssektor heranzuführen. Dazu reichen in vielen Fällen Aktivitäten aus, die Katalysatorwirkungen entfalten können.

    Die Zusammenarbeit zur Stärkung der technologischen Kompetenz könnte sich in dem fortgeschrittenen Entwicklungsland Argentinien auf drei Kernbereiche beziehen:

    Beiträge zum Umbau technologierelevanter Institutionen: In Argentinien steht in vielen staatlichen Institutionen des nationalen Innovationssystems ein umfassender institutioneller Reorganisations- und Restrukturierungsprozeß an. Eine Unterstützung dieses schwierigen Such- und Lernprozesses wäre Grundvoraussetzung für die Tragfähigkeit der zukünftigen technologischen Zusammenarbeit. Denkbar wäre der Einsatz von Organisations- und Managementexperten mit profundem Know-how über die technologischen Forschungs- und Beratungslandschaften in wichtigen Industrieländern. Ziel wäre es, zur Modernisierung, Entbürokratisierung und Effizienzsteigerung der bestehenden Institutionen beizutragen und deren Anbindung an ihre Zielgruppen zu verbessern.

    Förderung der Vernetzung zwischen Institutionen und Unternehmen: Das Kernproblem des argentinischen Innovationssystems besteht darin, daß auf der Grundlage der innovationshemmenden Importsubstitutionsstrategie kein Verbundsystem entstehen konnte. Das FuE-System, die Ausbildungseinrichtungen und der produktive Sektor sind weitgehend entkoppelt. TZ-Aktivitäten zur Stärkung der technologischen Kompetenz sollten daher einen Beitrag zur stärkeren Vernetzung zwischen den Unternehmen und dem Unternehmensumfeld leisten. Zu diesem Zweck könnten z.B. auf Branchenebene Langzeitexperten eingesetzt werden, um auf der Basis von Kenntnissen über die europäischen und andere Forschungs- und Dienstleistungsnetze zur Systemintegration beizutragen (z.B. Moderation von lokalen, regionalen, sektoralen und nationalen Technologiedialogen; Förderung des Informationsaustausches zwischen Unternehmen durch Workshops; Anregungen zur FuE-Kooperation zwischen Universitäten bzw. Technologieinstituten und Unternehmen). Von einem solchen Förderkonzept, das an den Schnittstellen zwischen den Unternehmen und Institutionen ansetzt, um die Kommunikation und Interaktion zwischen relevanten Akteuren anzustoßen, können jedoch nur dann signifikante Wirkungen erwartet werden, wenn die nationalen Akteure am Aufbau eines Verbundsystemes ein vitales Interesse artikulieren.

    Transfer von spezifischem Know-how: Argentinien verfügt in vielen Bereichen über gut qualifizierte Fachkräfte, deren Potential besser mobilisiert werden kann, wenn der Umbau der Institutionen gelingt. In vielen Fällen kann bereits die Bereitstellung von sehr spezifischem, komplementärem Know-how (z.B. Elemente von Qualitätssicherungssystemen, Aufbau von Wartungssystemen, anderes technisches Detailwissen) einen signifikanten Beitrag zur Stärkung der technologischen Kompetenz leisten. Wichtig wäre für Argentinien eine Bestandsaufnahme, welche produktions- und exportorientierten Dienstleistungen grundlegend sind, um die Wettbewerbsfähigkeit des produktiven Sektors zu stärken (z.B. MNPQ, Handelsgesellschaften). In diesem Bereich wäre eine Förderung des Know-how-Transfers aus exporterfahreneren Entwicklungsländern (z.B. Kooperation mit der Fundación Chile) oder Industrieländern interessant.

    Es zeigt sich, daß in einem fortgeschrittenerem Entwicklungsland wie Argentinien, in dem die einzelnen Akteure über beachtliches Entwicklungspotential verfügen, es jedoch an Vernetzungen zwischen den Akteuren und spezifischem Know-how (insbesondere zum Aufbau von Weltmarktkompetenz) fehlt, auch punktuelles TZ-Engagement Katalysatorwirkungen auslösen kann. Beiträge zur Strukturbildung (also TZ-Vorhaben mit hohem Signifikanzpotential) sind hier mit wesentlich weniger Aufwand zu erreichen als in strukturschwachen Partnerländern.

    3.3 Tansania

    Die Evaluierung hat gezeigt, daß bei den Projekten in Tansania

    Die zweifelhafte Nachhaltigkeit wie auch die begrenzte Signifikanz lassen sich durch die Besonderheiten des langwierigen Transitionsprozesses erklären, in dem Tansania sich seit dem Beginn der Strukturanpassung Mitte der 80er Jahre befindet. Das Land ist heute in hohem Maße donor-driven; der Anteil der Entwicklungshilfeleistungen am BIP nähert sich 50 %. Zugleich fehlt jedoch eine explizit formulierte tragfähige Entwicklungsstrategie. Zur Frage, in welche Richtung sich das Land künftig entwickeln soll, gibt es - jenseits der generellen Empfehlungen / Forderungen der Gebergemeinschaft zu deregulieren und privatisieren und entsprechender Absichtserklärungen der Regierung - keine tiefergehende Diskussion.

    Angesichts der fehlenden konzeptionellen Basis und des letztlich nicht ausreichenden politischen Willens zu tiefergreifenden Reformen konnten trotz des erheblichen Zuflusses externer Ressourcen von den gemeinsamen Aktivitäten der tansanischen Regierung und der Gebergemeinschaft keine stärkeren Entwicklungsimpulse ausgelöst werden. Die seit Mitte der 80er Jahre nach den Vorgaben der Weltbank und des IWF eingeleitete Strukturanpassung - die überwiegend ordnungspolitisch und makroökonomisch ausgerichtet ist - kommt nur langsam voran. Weder sind bislang Staatsunternehmen privatisiert, noch ist die Zahl der Beschäftigten in der aufgeblähten öffentlichen Verwaltung reduziert worden.

    Vor allem als Folge einer weitgehend blockierten und richtungslosen Entwicklung ist die Gebergemeinschaft in einem beachtlichen Ausmaß mit der Rehabilitierung von Projekten und der Lösung dringender punktueller Probleme beschäftigt. Die tansanische Seite ist mit der Bewältigung der administrativen Probleme, die daraus entstehen, daß jeder Geber andere bürokratische Verfahren anwendet, sowie der Organisation der geforderten Counterpartleistungen ausgelastet, wenn nicht überlastet. Eine effektive Koordinierung der vielfältigen Geberaktivitäten erfolgt weder durch die Regierung noch durch die Geber selbst.

    Eine auf Signifikanz zielende technologieorientierte TZ ist somit unter den Rahmenbedingungen, die in Tansania herrschen, objektiv schwierig. Insbesondere gibt es für einen bilateralen Geber wie Deutschland, dessen Anteil an der gesamten Auslandshilfe lediglich eine Größenordnung von ca. 3 bis 4 % erreicht, kaum Möglichkeiten, einen nennenswerten Einfluß auf die Gestaltung von innovationsfördernden Rahmenbedingungen auszuüben. Fortschritte in diesem Bereich (d.h. der zweiten Säule von technologischer Kompetenz) sind im Falle Tansanias kaum anders denn als Ergebnis einer abgestimmten Geberstrategie und eines intensiven Politikdialogs zwischen der Regierung und der internationalen Gebergemeinschaft vorstellbar.

    Trotz der insgesamt ungünstigen politischen Rahmenbedingungen (geringe Kraft der Regierung zu grundlegenden wirtschaftspolitischen Reformen) und des eher innovationsfeindlichen Klimas (fehlende innovationsfördernde Rahmenbedingungen) sollte versucht werden, den noch verbleibenden Spielraum für eine auf Strukturgestaltung abstellende technologieorientierte TZ zu nutzen, und zwar insbesondere durch eine Schwerpunktsetzung in zwei Bereichen:

    3.4 Simbabwe

    Die in Simbabwe evaluierten Projekte sind mit einer Ausnahme effektiv, und die Nachhaltigkeit erscheint nicht als fraglich. Zumindest bei drei der fünf Projekte ist überdies die Signifikanz hoch.

    Die Bedeutung der allgemeinen Rahmenbedingungen für die Signifikanz von Projekten kann kaum anschaulicher verdeutlicht werden als in Simbabwe für den Bereich der beruflichen Bildung. Mit der Ausrichtung, die die 80er Jahre prägte (d.h. einem ausgeprägten Mißtrauen gegenüber der Privatwirtschaft und einer Ablehnung dualer Strukturen in der beruflichen Bildung), waren Effektivität und Signifikanz der Projekte begrenzt. Im neuen Umfeld ab Anfang der 90er Jahre beginnt sich die Situation zu ändern. Mit dem Abschied von der sozialistischen Grundorientierung entstehen Möglichkeiten einer engen Verknüpfung zwischen Einrichtungen der beruflichen Bildung der privaten Wirtschaft, deren Bedarf an qualifizierten Arbeitern steigt. Das Berufsbildungsprojekt (Harare Institute of Technology/HIT) gestaltet die Restrukturierung des Systems der beruflichen Bildung entsprechend der neuen Rahmenbedingungen wesentlich mit und ist daher sehr signifikant.

    Die Orientierung auf signifikante (und nachhaltige) Projekte zur Stärkung der technologischen Kompetenz von Simbabwe stößt jedoch auch unter den jetzigen Rahmenbedingungen auf Schwierigkeiten, die insbesondere mit den finanziellen Engpässen des Staates zusammenhängen. Diese führen dazu, daß für die simbabwische Regierung eine Zusammenarbeit mit ausländischen Gebern vornehmlich unter dem Blickwinkel der Budgetwirkungen von Interesse ist. Selbst TZ-Projekte werden z.T. unter diesem Aspekt gesehen. So dienen drei der fünf Projekte (Fernerkundung, Familienplanung, Energieberatung) im Kern nicht dazu, fehlendes lokales Know-how heranzubilden. Vielmehr ist dieses im Bereich der "weißen Wirtschaft" weitgehend verfügbar. Aufgrund der begrenzten finanziellen Kapazitäten des Staates kann dieses Know-how jedoch nicht zu den international üblichen Marktpreisen abgerufen werden. TZ hat damit vor allem die Funktion sicherzustellen, daß wichtige öffentliche Aufgaben ohne größere Haushaltsbelastungen wahrgenommen werden können. Dieser Zustand ist aus der Sicht eines Gebers unbefriedigend, zumal die zugesagten Counterpartleistungen nur teilweise erbracht werden, was die angestrebte Übertragung von Know-how behindert. Besonders deutlich wurde diese Schieflage im Falle des Fernerkundungsprojektes. Die Trägerinstitution ist nur deshalb lebensfähig, weil sie von verschiedenen Gebern unterstützt wird. Die Übertragung von Know-how stößt aufgrund des unzureichenden Engagements der Regierung an enge Grenzen.

    Eine bilaterale TZ, die darauf ausgerichtet ist, einen Beitrag zur Stärkung der technologischen Kompetenz in Simbabwe zu leisten, muß diesen spezifischen Rahmenbedingungen Rechnung tragen. Insbesondere gilt es, ein Konzept zu entwickeln, das an zentralen Engpässen ansetzt, von der Regierung ausreichend unterstützt wird, die öffentlichen Ressourcen nicht überfordert und gleichwohl einen fühlbaren Beitrag zur Stärkung der nationalen Know-how-Basis leisten kann. Ein solches Konzept könnte an drei der vier Säulen, auf denen technologische Kompetenz beruht, ansetzen:

    Innovationsfördernde Rahmenbedingungen: Im Strukturanpassungsprogramm der Weltbank und in den entwicklungsstrategischen Überlegungen fehlt die technologische Dimension vollständig. Eine Systemberatung auf der Mesoebene könnte helfen, diese Dimension - die für die künftige wirtschaftliche Entwicklung des Landes ganz zentral sein wird - angemessen in den Politikformulierungsprozeß einzubringen.

    Eine denkbare Maßnahme wäre die Einrichtung einer Stabsstelle für Technologiepolitik im Finanzministerium, weil dies für die Gestaltung der Strukturanpassungspolitik zuständig ist und daher dort die entscheidenden Weichenstellungen vorgenommen werden. Dies könnte - vorausgesetzt, daß eine hochqualifizierte Fachkraft mit umfangreicher Erfahrung im Bereich der Formulierung und Implementierung von Technologiepolitik gefunden werden kann - durch ein Projekt der Regierungsberatung unterstützt werden.

    Zentrale Herausforderung für eine solche Stelle wäre die Initiierung und Stimulierung der technologischen Modernisierung der Industrie, deren Überleben im Fall eines ausschließlich marktgesteuerten, auf der makroökonomischen Ebene ansetzenden Strukturanpassungsprozesses gefährdet wäre. Eine prioritäre Aufgabe dieser Stabsstelle wäre die Bestimmung des technologischen Entwicklungsstands der Industrie, die bis vor kurzem vollständig von Konkurrenzdruck abgeschirmt war. Daran anschließend müßte sie - in enger Zusammenarbeit mit den Unternehmen bzw. ihren Organisationen - eine technologische Strategie für die Industrie formulieren. Dies ist um so dringlicher, als die Initiative zur Gründung eines nationalen Industrie-Technologieinstituts (SIRDC), die aus dem akademischen Raum kommt, nicht mit dem Bedarf der privaten Wirtschaft abgestimmt ist.

    Technologieorientierte Institutionen und Bildungssystem: In Simbabwe sind Projekte, die auf die technologische Modernisierung des produktiven Sektors zielen - insbesondere der Industrie - besonders wichtig. Im Bergbau, ein ebenfalls wichtiger Bereich, kann das Projekt an der Universität Simbabwe in diesem Sinne künftig einen wichtigen Beitrag leisten. Im Hinblick auf die Industrie hingegen ist das HIT bislang eine reine Ausbildungseinrichtung und noch weit davon entfernt, den Unternehmen technologische Hilfestellungen bieten zu können. Die z.Zt. diskutierte Grundidee, dieses Zentrum der beruflichen Bildung zugleich als Technologiezentrum zu nutzen, geht in die richtige Richtung. Beachtet werden muß, daß die simbabwische Industrie nicht hochtechnologische, sondern reife Produkte produziert. Ihr technologischer Beratungsbedarf richtet sich daher nicht auf den Transfer von technologisch hochentwickelten Produkten und Verfahren. Was sie braucht, ist vielmehr Unterstützung bei der Einführung moderner Maschinen sowie Organisationsmethoden, vor allem im Bereich der betrieblichen Logistik und der Qualitätssicherung. Für diesen Bedarf sollte nicht nur das HIT geeignete Angebote formulieren. Auch andere Einrichtungen der beruflichen Bildung sollten in dieser Richtung tätig werden. Darüber hinaus sollten die Institute der Berufsbildung stärker als bisher Angebote schaffen, die für Kleinunternehmen attraktiv sind und damit zur Stärkung der technologischen Kompetenz in diesem Bereich beitragen.

    Insgesamt zeigt sich, daß innerhalb der deutschen technologieorientierten TZ, die eine Reihe von Projekten in unterschiedlichen Sektoren umfaßt, vor allem das Berufsbildungsprojekt (HIT) von der Neuorientierung der simbabwischen Entwicklungsstrategie profitiert hat; inzwischen gestaltet es die Neuorientierung des Konzepts der beruflichen Bildung sogar mit. Spielräume, den strukturbildenden Beitrag einer technologieorientierten TZ zu erhöhen, werden zwar durch die Finanzschwäche der öffentlichen Hand begrenzt. Gleichwohl gibt es für die deutsche TZ Ansatzpunkte, jeweils durch eine Weiterentwicklung der Konzeption der bestehenden Projekte, ihre stärkere Vernetzung sowie ggf. ein Regierungsberatungsprojekt im Bereich des Technologiemanagement auch künftig unter den schwieriger gewordenen Rahmenbedingungen einen signifikanten Beitrag zur Entwicklung der technologischen Kompetenz von Simbabwe zu leisten.

    3.5 Indonesien

    In den letzten 25 Jahren ist es diesem Land gelungen, einen sozio-ökonomischen Entwicklungsprozeß von erheblicher Breitenwirkung einzuleiten. Lebten 1970 noch etwa 60 % der Bevölkerung in absoluter Armut, so ging dieser Anteil Anfang der 90er Jahre auf etwa 17 % zurück. Grundlage war eine Entwicklungsstrategie, die konsequent auf die Nutzung der Energievorkommen, die Entwicklung des landwirtschaftlichen Potentials und arbeits-und rohstoffintensiver Industrien setzte. Ab Anfang der 80er Jahre wurde diese Strategie durch makroökonomische Reformen, Maßnahmen zur Deregulierung der Wirtschaft, die Öffnung gegenüber ausländischen Investoren und Kapitalgüterimporten, Exportförderpolitiken sowie den anhaltenden Ausbau der materiellen Infrastruktur und der Basiserziehung wesentlich gestützt.

    Diese Entwicklung war hauptsächlich ressourcenbasiert und konnte bislang ohne eine nennenswerte Stärkung der nationalen technologischen Basis umgesetzt werden. Der Anteil der Bildungsausgaben am BSP beträgt heute kaum mehr als 3 %, der Anteil von Forschung und Entwicklung am BSP lediglich 0,2 %. Die wichtigsten Technologiequellen sind Kapitalgüterimporte und ausländische Direktinvestitionen.

    Die wichtigsten Akteure in Staat und Wirtschaft sind sich jedoch seit geraumer Zeit darüber im klaren, daß das Land einen grundlegenden Strategiewechsel vornehmen muß, wenn es in etwa 25 Jahren den Status eines Schwellenlandes erreichen will. Erforderlich wird insbesondere ein Übergang von einer extensiven zu einer intensiven, d.h. produktivitätsgestützten Wachstumsstrategie unter Beachtung der ökologischen Dimension. Im Rahmen der neuen Strategie wird es entscheidend darauf ankommen,

    Die zur Umsetzung der neuen Strategie erforderlichen Investitionen sollen künftig vermehrt aus internen Ersparnissen finanziert werden. Gleichwohl wird das Land auch künftig umfangreiche ausländische Direktinvestitionen sowie Auslandshilfe benötigen.

    Ein bilateraler Geber wie Deutschland, dessen Anteil an der jährlichen Auslandshilfe von ca. 5 Mrd. US $ kaum 2 % beträgt, kann insgesamt nur einen marginalen Entwicklungsbeitrag leisten. Um so wichtiger ist es, die bilaterale Hilfe in wohldefinierten Schwerpunkten zu konzentrieren und auf breitenwirksame Projekte abzustellen.

    Der von den untersuchten Projekten zu erwartende Beitrag zur Stärkung der technologischen Kompetenz Indonesiens fällt unterschiedlich aus. Ohne eine Anpassung der Projektkonzeption und/oder der Durchführungsplanung muß bei drei der fünf Projekte damit gerechnet werden, daß von ihnen keine signifikanten, d.h. strukturbildenden Wirkungen ausgehen werden. Entweder waren die Projekte nur unzureichend in ihr Projektumfeld eingebunden oder es waren die dem Projekt zur Verfügung stehenden Ressourcen (personelle, finanzielle) zu knapp bemessen, um die angestrebten strukturbildenden Effekte tatsächlich erreichen zu können.

    Wenn diese kritischen Punkte bei der Planung künftiger Projekte berücksichtigt werden und die in den letzten Jahren eingeleitete Schwerpunktbildung in der TZ konsequent beibehalten wird, kann in zwei Bereichen, die für die Stärkung der technologischen Kompetenz Indonesiens wesentlich sind, durchaus ein fühlbarer Entwicklungsbeitrag geleistet werden:

    1. Stärkung des Systems der beruflichen Bildung: Das indonesische Berufsbildungssystem entspricht weder quantitativ noch qualitativ den Entwicklungserfordernissen. Auf allen Ebenen bleibt die Ausbildung von Fachkräften weit hinter dem Bedarf zurück. Beziehungen zwischen den Ausbildungseinrichtungen und der Wirtschaft sind kaum existent, mit der Folge, daß die Ausbildung praxisfern ist.

    Mit der Beteiligung am Ausbau des polytechnischen Systems wird von der deutschen Seite bereits ein Beitrag geleistet, der für den Bereich der Technikerausbildung eine strukturbildende Dimension aufweist. Die Projektevaluierung ergab, daß die Ausstrahlungseffekte des Projektes weiter gesteigert werden können, wenn es sich künftig stärker in die landesweite Diskussion über die Reform der polytechnischen Ausbildung einschaltet und ein Erfahrungsaustausch mit anderen polytechnischen Einrichtungen initiiert wird.

    Entsprechend einer mit der indonesischen Regierung 1992 getroffenen Vereinbarung wird sich die deutsche Seite künftig schwerpunktmäßig auch in der Ausbildung von Facharbeitern engagieren.Sie wird hierzu einen am dualen System orientierten Ansatz entwickeln, d.h. auch systemberatend tätig werden.

    Insgesamt bietet das im Bereich der beruflichen Bildung angestrebte Profil der deutschen TZ die Chance, die vierte Säule, auf der die technologische Kompetenz eines Landes beruht, nämlich auf technologieorientierten Bildungsinstitutionen, deutlich zu stärken.

    2. Stärkung der Leistungsfähigkeit der kleinen und mittleren Unternehmen: Um sich auf dem Binnenmarkt zu behaupten und Wachstumschancen auf Exportmärkten wahrnehmen zu können, muß die indonesische Klein- und Mittelindustrie ihre Produktivität erheblich steigern. Angesichts der großen Zahl von Klein- und Mittelbetrieben (schätzungsweise 25.000 Unternehmen mit 20 bis 100 Beschäftigten; über 100.000 Unternehmen mit 5 bis 20 Beschäftigten) stellt sich vor allem die Frage nach einem breitenwirksamen Förderkonzept.

    Die Evaluierung des KMI-Beratungsprojektes in Nord-Sumatra ergab, daß diesem Projekt ein innovativer, auf Breitenwirksamkeit ausgerichteter Ansatz zugrunde liegt, der allerdings noch einige Schwächen aufweist. Die Grundrichtung dieses Ansatzes, der auf eine Aktivierung und Stärkung von Unternehmensverbänden, die Stärkung von privaten und staatlichen Förderinstitutionen sowie die Mobilisierung des Selbsthilfepotentials der Unternehmen abstellt, ist jedoch vielversprechend. Er reflektiert insbesondere die aus der langjährigen Wirkungsbeobachtung von KMI-Förderkonzepten gewonnene Erkenntnis, daß eine auf der einzelbetrieblichen Ebene ansetzende KMI-Förderung durch staatliche Einrichtungen wenig erfolgversprechend ist und es daher darum gehen muß, ein Netz von leistungsfähigen privaten und öffentlichen Förderinstitutionen zu entwickeln und die Vernetzungen zwischen den Unternehmen und den überbetrieblichen Strukturen zu fördern.

    Ein vernetztes System, in dem Unternehmen sowie private und öffentliche Fördereinrichtungen auf regionaler Ebene zielgerichtet zusammenwirken, kann in Indonesien allerdings nur in einem längeren Prozeß entwickelt werden, da die zur Zeit bestehenden technologieorientierten Institutionen und Bildungseinrichtungen, d.h. die dritte und vierte Säule von technologischer Kompetenz, nur schwach entwickelt sind. KMI-Förderprogramme im Rahmen der deutschen TZ, die sich an dem neuen Ansatz orientieren, müssen daher eine relativ lange Laufzeit haben.

    3.6 Thailand

    Die wichtigsten Rahmenbedingungen für die Durchführung von Projekten der bilateralen TZ zur Stärkung der technologischen Kompetenz Thailands sind folgende:

    Die explizite Strategie, die Thailand zur Stärkung seiner technologischen Basis inzwischen verfolgt, wirkt sich auf die Planung und Durchführung technologieorientierter TZ-Projekte günstig aus. Von den in die Evaluierung einbezogenen Projekten kann durchweg erwartet werden, daß sie sowohl einen breitenwirksamen als auch nachhaltigen Beitrag zur Stärkung der technologischen Kompetenz Thailands leisten werden.

    Die deutsche TZ wird sich in den nächsten Jahren in Thailand vorrangig auf drei Bereiche konzentrieren. Gefördert werden sollen der Umwelt- und Ressourcenschutz, die berufliche Ausbildung sowie die Entwicklung der Klein- und Mittelindustrie.

    Die Förderung der beruflichen Bildung gehört seit langem zu den Schwerpunktbereichen der bilateralen TZ, wobei es in wichtigen Teilbereichen gelungen ist, Beiträge mit systembildendem Charakter zu leisten:

    Dem sich rasch differenzierenden Technologiebedarf Thailands wird künftig jedoch immer weniger mit den knappen Mitteln, die für die bilaterale TZ zur Verfügung stehen (ca. 20 Mio. DM p.a.), entsprochen werden können. Es bietet sich daher an, die dritte Säule von technologischer Kompetenz - nämlich spezialisierte Technologieinstitutionen - eher indirekt zu stärken, d.h. die Vernetzung von thailändischen und deutschen Forschungseinrichtungen zu fördern. Hochschulpartnerschaften, die Förderung des Austauschs von Wissenschaftlern und Stipendienprogramme sollten daher künftig an Gewicht gewinnen.

    3.7 Exkurs: Singapur

    Singapur gehört zusammen mit Korea und Taiwan zu den Ländern, die in den letzten 15 Jahren eine beachtliche technologische Kompetenz entwickelt haben. Ein wichtiger Baustein der singapurischen Technologiestrategie ist die Ausbildung hochqualifizierter technischer Fachkräfte der mittleren Führungsebene. Seit Anfang der 80er Jahre wird Singapur in diesem Bereich vor allem durch Deutschland, Frankreich und Japan unterstützt.

    Das 1981 gegründete German-Singapore Institute (GSI), das Techniker in den Bereichen Fertigungstechnik und Kunststofftechnik (seit 1991) ausbildet, gilt als ein besonders erfolgreiches TZ-Projekt der beruflichen Bildung. Ein Institut mit ähnlicher Konzeption hat 1991 in Malaysia seine Tätigkeit aufgenommen. Für weitere Länder der Region werden entsprechende Überlegungen angestellt. Es zeigt sich also, daß in der EZ mit fortgeschrittenen Entwicklungsländern wichtige Erfahrungen anfallen, die auch für andere Länder von Bedeutung sein können.

    Der Erfolg des GSI kann insbesondere auf folgende Faktoren zurückgeführt werden:

    Insgesamt leistet das GSI einen signifikanten Beitrag zur Ausbildung von Fachkräften auf Technikerebene, die mit modernsten Fertigungstechnologien vertraut sind. Der Technologietransfer aus Deutschland erfolgt nicht nur durch deutsche Lang- und Kurzzeitexperten im Rahmen der bilateralen TZ. Beachtliche Beiträge werden auch von deutschen Unternehmen sowie FuE-Einrichtungen in Deutschland erbracht. Aufgrund eines Kooperationsvertrages können Absolventen des GSI an der Universität Bremen das Maschinenbaustudium aufnehmen.

    Der breite Technologietransfer aus Deutschland liegt jedoch nicht nur im singapurischen Interesse. Er stärkt auch das Profil Deutschlands als leistungsfähige Technologienation und stützt ihre Position in der dynamischen südostasiatischen Wachstumsregion. Entwicklungspolitische, technologische und wirtschaftliche Zusammenarbeit können sich also sinnvoll ergänzen.

    4 Befunde zu den Untersuchungskriterien Effektivität, Effizienz, Nachhaltigkeit und Signifikanz

    4.1 Effektivität

    Im Verlauf der Evaluierung wurde deutlich, daß die Technologiewahl in den Projekten im engeren Sinne kein entscheidendes Problem darstellt. Die lange geführte Diskussion über "angepaßte Technologien" hat offenbar dazu geführt, daß in der Projektplanung und -durchführung die technologische Adaptions- und Absorptionsfähigkeit der Partnerinstitutionen berücksichtigt wird; die transferierte Hardware ist meist situationsadäquat. Darüber hinaus wird der Hardware-Transfer meist durch intensive Qualifizierungsmaßnahmen begleitet.

    Engpässe zeigen sich in anderer Hinsicht: die organisatorische und institutionelle Dimension des Technologietransfers bleibt oft ausgeblendet, und die Umfeldbedingungen werden häufig nicht angemessen berücksichtigt.

    Organisatorische und institutionelle Probleme: Hochqualifizierte Fachexperten verfügen nicht notwendigerweise über gute Managementfähigkeiten, die gerade in einem instabilen und hochbürokratisierten System (z.B. einer Universität) wesentlich sind, um die Projekte adäquat in ihr Umfeld zu integrieren und tragfähige institutionelle Strukturen zu verankern. Dieses Problem reflektiert einen noch immer verkürzten Technologiebegriff, der auf Technik und Wissen reduziert bleibt und die Bedeutung von Organisation unterschätzt. Gerade in strukturschwachen Ländern kommt der institutionell-organisatorischen Dimension im Prozeß des Aufbaus technologischer Kompetenz eine besondere Bedeutung zu. Oft geht es um den Aufbau vollständig neuer Strukturen oder weitreichende Veränderungen innerhalb von Institutionen. Hier sind explizit Management- und Organisationswissen gefragt.

    Dazu zwei Beispiele: Die Förderung einer Fakultät in einer Universität oder einer Abteilung innerhalb einer Verwaltung impliziert vielerlei Abstimmungprobleme. Die Einführung neuer Organisationsprinzipien in den geförderten Einheiten (z.B. Anwesenheitspflicht von Universitätsdozenten während der gesamten Woche, andere Arbeitsverträge, Veränderung von Hierarchieebenen) kann die Effektivität des Projektes erhöhen und Ausstrahlungseffekte auf andere Bereiche innerhalb der jeweiligen Institution haben, aber auch innerinstitutionelle Konflikte hervorrufen und zur Schaffung nicht nachhaltiger Parallelstrukturen führen. Fachwissenschaftler sind in der Regel nicht für die Lösung solch institutionell-organisatorischer Probleme ausgebildet.

    In einem Universitätspartnerschaftsprojekt richtete sich die Hoffnung darauf, über vorbildliches Verhalten des Experten in Bereichen wie Wissen, Fertigkeiten und Einstellungen, auf das individuelle Verhalten der Projektpartner einzuwirken. Diese Hoffnung ist freilich realitätsfern, wenn die Handlungslogik der lokalen Counterparts (z.B. übliche und geduldete Mehrfachbeschäftigungen von Dozenten auch während der Semester) und die institutionelle Logik des Projektträgers (z.B. blockierte Verwaltungsstrukturen, politisch motivierte Personalpolitik) in eine andere Richtung weisen als die Logik des Projekts (Beitrag zur Modernisierung der Fakultät).

    Probleme mit der Effektivität von Projekten werden oft mit ungünstigen Rahmenbedingungen oder einer inadäquaten Trägerstruktur begründet. Diese Begründungen sind insofern richtig, als EZ in der Regel mit schwierigen Rahmenbedingungen und schwachen Trägerstrukturen konfrontiert ist. Sie sind dennoch nicht ausreichend, weil TZ gerade darauf abzielt, dazu beizutragen, diese Entwicklungsblockaden zu überwinden. Das eigentliche Problem besteht darin, daß diese Faktoren in der Projektplanung oft nicht angemessen berücksichtigt werden - die Leistungsfähigkeit des Trägers wird zuweilen bei weitem zu optimistisch eingeschätzt und die erforderliche Mitgestaltung des Projektumfeldes (im engeren Sinne: die Institution in die ein Projekt integriert ist; im weiteren Sinne: der Sektor, in den es eingebunden ist) vernachlässigt.

    Darüber hinaus entstehen Probleme durch die spezifische Logik, der Projekte folgen. So zeigte sich in einigen Projekten, daß ein engagiertes Projektmanagement nur selten mit der Geduld verknüpft ist, die in der Regel eher langsamen Lernprozesse der Zielgruppen zu berücksichtigen. Gerade der letzte Punkt wird begünstigt durch die eher quantitativ ausgerichteten Projektprüfungen, die institutionelle und organisatorische Lernprozesse, die objektiv schwierig zu beurteilen sind, oft unterbewerten. Statt die Leistungsfähigkeit der Projektträger und Zielgruppen soweit zu verbessern, daß die Durchführbarkeit des geplanten Projektes möglich ist, oder die Projektkonzeption der Leistungsfähigkeit der Projektträger und Gruppen anzupassen, neigen viele Experten dazu, die Anforderungen an die Kooperationspartner durch eigene Mehrarbeit zu substituieren, statt deren Kompetenz zu stärken. So kann die effektive Abwicklung des Projektes gesichert werden, dessen Nachhaltigkeit ist allerdings eher fraglich.

    Gelingt es nicht, die Handlungslogiken von Zielgruppe und Träger in das Projektdesign einzubeziehen und diese institutionell-organistorischen Projektdimensionen zu berücksichtigen, ist die Effektivität der Vorhaben bedroht. Häufig anzutreffende Schwierigkeiten in diesen Bereichen verweisen darauf, daß das Instrument ZOPP - das gerade auf die Abstimmung zwischen den Zielen und Interessen des Projektes, der Träger und der Zielgruppe abzielt - seine Grenzen hat; es kann leicht eine Scheinrationalität und einen Scheinkonsens in den Projektzyklus einführen. Problematisch ist inbesondere die Einbeziehung von Träger und Zielgruppe erst zu einem Zeitpunkt, zu dem das Mengengerüst bereits definiert ist.

    Umgang mit Umfeldproblemen: In Projekten, die in ein schwaches oder sogar entwicklungshemmendes Umfeld eingebettet sind, konnten drei Ansätze beobachtet werden, wie Langzeitexperten die Effektivität des Projektes zu sichern versuchen:

    1. Die Konfrontation mit einem schwierigen Projektumfeld, das den Ablauf des Projektes stark beeinträchtigt oder verzögert, führt zuweilen dazu, daß im Projekt vorgesehene Versuche einer aktiven Integration in das Umfeld oder einer Beeinflussung der Rahmenbedingungen, die auf das Projekt wirken, stark reduziert werden. Diese Strategie der Komplexitätsreduktion mündet in typischen Projektinseln.

    2. Zu beobachten ist, daß in kritischen Projektsituationen zur Absicherung des Projekterfolges und der Einhaltung der Zeitplanung häufig institutionelle Parallelstrukturen aufgebaut oder Sonderregelungen für das Projekt, jenseits der landesüblichen Bedingungen, durchgesetzt werden, statt Anstrengungen zu unternehmen, existierende Institutionen und Regelungen zu beeinflussen. Unter Zeitgesichtspunkten stellt sich diese Strategie oft als erfolgreich heraus. Sie ist also aus der Sicht des Langzeitexperten, der sich Projektprüfungen stellen muß, durchaus rational. Wenn nicht dafür Sorge getragen wird, die als Notlösung entstandenen Parallelstrukturen in ihr Umfeld zu integrieren, führt dieser Ansatz jedoch in der Regel zu nicht nachhaltigen Projekten.

    3. In einer Reihe von Projekten wurden die schwierigen Umfeldbedingungen zu einem expliziten Thema des Projektes gemacht. Es konnten aktive Versuche der Umfeldgestaltung beobachtet werden, z.B. durch Workshops mit Akteuren des Umfeldes, mit dem Ziel der Veränderung entwicklungshemmender Strukturen oder intensiverer Kooperation mit der Zielgruppe, um die Wirkungen des Projektes zu optimieren (z.B. gemeinsame Überarbeitung von Curricula von Ausbildungseinrichtungen durch Langzeitexperten, nationalen Ausbildern und den zuvor kaum beteiligten Unternehmern). Dieser offensive Ansatz erfordert beachtliches Organisations- und Managementwissen, das die exzellenten Fachexperten oft nicht mitbringen und das bei den Personalentscheidungen eine zu nachgeordnete Rolle spielt.

    4.2 Effizienz

    Es wurde deutlich, daß in der Vergangenheit die Frage der Effizienz der Projekte weder im Projektangebot noch während der Projektdurchführung, d.h. im Prozeß des Projektmonitoring und der Projektevaluierung (MuE), angemessen thematisiert wurde. Ob die einem Projekt zurechenbaren Erträge in einem angemessenen Verhältnis zu den Projektkosten stehen, konnte daher in vielen Fällen nicht mit ausreichender Sicherheit beurteilt werden.

    Das Hauptproblem, die Effizienz von TZ-Projekten zu bewerten, ist darin begründet, daß ihre Wirkungen häufig nicht monetär erfaßt werden können. Ansatzpunkte, diesen Schwierigkeiten zu begegnen, bieten vor allem

    Projekte, bei denen die Effizienz unter Einschluß der Kosten für die deutschen Experten beurteilt wird, werden in der Regel ein sehr ungünstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen. Die Analyse der Effizienz eines Projektes sollte daher im Kern auf die Situation nach Projektübergabe, d.h. nach Abzug der deutschen Experten abstellen. Um schon während der Projektlaufzeit eine günstige Kosten-Nutzen-Relation zu erreichen, sollten deutsche Experten soweit wie möglich durch vergleichbar qualifizierte einheimische Fachkräfte bzw. Fachkräfte aus anderen Ländern der Region ersetzt werden. Dieses wäre nicht nur eine effizienzsteigernde Maßnahme, sondern zugleich auch ein Beitrag zur Stärkung der lokalen Know-how-Basis bzw. zur Förderung der regionalen Kooperation. Vorbilder gibt es durchaus: So sind z.B. in Bolivien chilenische Experten in Feldern tätig, in denen Chile in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hat.

    4.3 Nachhaltigkeit

    Aus der langjährigen Wirkungsbeobachtung ist bekannt, daß TZ-Projekte vor allem dann eine Chance haben, bis zur Projektübergabe die angestrebten Ziele und Nachhaltigkeit zu erreichen, wenn

    Diese Befunde wurden in dieser Evaluierung bestätigt. Darüber hinaus zeigt sich, daß

    Aus der intensiv geführten Diskussion um Nachhaltigkeit und den Ergebnissen der vorliegenden Studie wird deutlich, daß Nachhaltigkeit letztlich nur dann erreichbar ist, sofern die Anforderungen, die heute an eine effektive Projektplanung und -durchführung gestellt werden, systematisch berücksichtigt werden. Mit anderen Worten: Nachhaltigkeit läßt sich i.d.R. nicht durch in der Endphase oder gar nach Abschluß des Projektes improvisierte Maßnahmen (z.B. zusätzliche finanzielle Mittel, Entsendung von Kurzzeitexperten) herstellen. Die bekannten Anforderungen an effektive und nachhaltige Projekte müssen bereits in der Projektplanung und -vorbereitung sowie im Projektverlauf systematisch berücksichtigt werden.

    4.4 Signifikanz

    In die Projektauswahl wurden von vornherein nur Projekte einbezogen, die als potentiell nachhaltig und insbesondere signifikant galten. Von entwicklungspolitisch signifikanten Projekten kann dann gesprochen werden, wenn sie breitenwirksam sind (sektoral, regional) und/oder zur Strukturbildung beitragen oder Modellcharakter besitzen, d.h. in anderen Sektoren und Regionen wiederholbar sind. Dabei stellten sich freilich Schwierigkeiten, auf der Grundlage der Projektunterlagen in den sechs Ländern Projekte dieses Typs auszuwählen; mit anderen Worten: in den einzelnen Ländern bot sich ein Bild, das durch viele kleine isolierte Projekte gekennzeichnet war.

    Hervorzuheben ist, daß in kaum einem der Projekte "Signifikanz" als Kriterium bei der Formulierung des Projektziels bzw. beim Entwurf der Projektkonzeption explizit thematisiert wurde. Zielgruppen im weiteren Sinne wurden zwar identifiziert, eine hinreichend präzise Analyse ihrer Problemlage und Bedarfssituation unterblieb jedoch häufig. Dies war insbesondere in einigen Technologieinstituten und Ausbildungseinrichtungen eklatant. Der Bedarf von Unternehmen an Arbeitskräften mit einem bestimmten Qualifikationsprofil oder an technologischen Beratungsleistungen, die von den jeweiligen Projekt bereitzustellen waren, wurden häufig in den Projektanträgen postuliert. Tatsächlich wurde die Industrie jedoch nur selten in die Projektvorbereitung einbezogen, so daß deren tatsächlicher Bedarf kaum zu ermitteln war. Diese Schwachstelle ist nicht immer den Gutachtern zuzurechnen. Häufig sind in den Zeitbudgets in der Projektvorbereitungsphase keine umfassenden Projektumfeldanalysen möglich. Diese wären jedoch wesentlich, um signifikante Projekte auswählen und umsetzen zu können.

    Viele Vorhaben wiesen ein Signifikanzpotential auf, das allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmaß realisiert wurde. In einigen Fällen wurden potentielle Austrahlungseffekte von Projekten in ihr Umfeld lange nicht zur Kenntnis genommen (z.B. Umweltinstitut in La Paz), so daß die Projekte hinter ihren Möglichkeiten zurückblieben, jedoch die relativ engen Zielvorgaben der Projektplanung durchaus erfüllt wurden. In vielen Projekten mit Signifikanzpotential hängt deren Effektivität und Nachhaltigkeit jedoch wesentlich davon ab, ob die Einbindung in das Umfeld tatsächlich gelingt. Dies gilt insbesondere für Projekte, die Dienstleitungseinrichtungen fördern, die der Industrie zu Gute kommen sollen (z.B. Ausbildungseinrichtungen, Technologieberatungszentren). Diese Projekte geraten oft in die Schieflage, weil ihre Einbindung in das Projektumfeld unzureichend berücksichtigt wird (z.B. Nationales Industrietechnologieinstitut/INTI in Argentinien und verschiedene Ausbildungseinrichtungen).

    Oft wird das in der Projektplanung vernachlässigte Signifikanzpotential von den Experten vor Ort wahrgenommen und in entsprechende zusätzliche Aktivitäten umgesetzt. Dies kann, wie sich im Verlauf der Serienevaluierung zeigte, die Wirksamkeit des Projektes steigern (z.B. Universitätspartnerschaft mit Oruro/Bolivien), aber auch zur Verzettelung und der Vernachlässigung anderer Projektziele führen. Insgesamt zeigt sich, daß die Einbindung des Projektes in sein Umfeld vielmehr ebenso sorgfältig wie die Optimierung von Leistungspotentialen innerhalb des Projektes geplant und angesteuert werden muß.

    Eine geringe Orientierung auf Signifikanz bedeutet meist eine unzureichende Verknüpfung mit dem Projektumfeld. Dies stellt nicht selten die Effektivität eines Projekts in Frage, weil damit die Personalfluktuation beim Projektträger gefördert wird. Die Hauptzielgruppe sind in vielen Projekten die Mitarbeiter des Projektträgers (Lehrer, Universitätsdozenten, Techniker u.a.). Deren Ausbildung und Weiterqualifizierung ist eine, wenn nicht die Hauptprojektaktivität. Die Logik der Mitglieder dieser Zielgruppe ist jedoch typischerweise eine andere als jene der deutschen Projektmitarbeiter. Für sie ist das Projekt nämlich - wenn sie nicht ausgesprochene Idealisten sind - eine ausgezeichnete Möglichkeit zur unmittelbaren, kurzfristigen Verbesserung ihrer Berufsperspektiven. Dies äußert sich dann - sobald sie hinreichend qualifiziert sind - in ihrer Abwanderung in den privaten Sektor.

    Der Verlust für das Projekt bzw. die Institution ist größer als der Gewinn für das Unternehmen, das die Fachkräfte abwirbt. Dieses Problem ließe sich u.U. verringern, wenn das Projekt stärker auf Signifikanz angelegt wäre und eine engere Anbindung an den Unternehmenssektor versucht würde. So erwies es sich in dem Universitätspartnerschaftsprojekt in Oruro als sinnvoll, ein Servicezentrum aufzubauen, um Universitätsdozenten Consultingarbeiten und damit Zuverdienstmöglichkeiten zu eröffnen. Diese engere Anbindung des Projektes an den Zielsektor leistet einen Beitrag, um die Personalfluktuation zu verringern und erhöht zugleich die Praxisrelevanz der entsprechenden Fakultät. Denkbar wäre es auch, Unternehmen eines Sektors von der Leistungsfähigkeit einer geförderten Dienstleistungseinrichtung (Ausbildungszentrum, Technologieinstitut, Universitätsfakultät) zu überzeugen und Kofinanzierungen durch die Unternehmen anzusteuern.

    Die Evaluierung hat gezeigt, daß insbesondere in strukturschwachen Ländern von der Existenz eines Innovationssystems keine Rede sein kann; aus heutiger Sicht erscheint das Vier-Pole-Modell (Innovationssystem/Produktionssystem, beides im Industrieland und im Entwicklungsland) des BMZ-Technologie-Sektorkonzepts von 1979 damit als nicht tragfähig. Hinter den Konzepten für technologieorientierte TZ-Projekte stand nicht selten das Konzept eines Innovationssystems, wie es sich in Deutschland z.T. erst in den letzten 20 Jahren herausgebildet hat. Anstatt im Entwicklungsland organisatorisch-institutionelle Lösungen für das lokale Umfeld maßzuschneidern, wurden z.T. Projekte aufgelegt, die einzelne Strukturelemente des deutschen Innovationssystems in einem Entwicklungsland replizieren sollten. Der technology-push dieser Art technologieorientierter Projekte zielte häufig ins Leere, denn es gab keinen produktiven Sektor, der systematische FuE-Anstrengungen unternahm und daher eine Empfangsstruktur für Technologietransfer aus Technologieinstitutionen besaß.

    Geringe Innovationsanstrengungen wiederum waren nicht selten das Ergebnis von Rahmenbedingungen, die Unternehmen nicht zu systematischen, effizienzorientierten technologischen Lernprozessen gezwungen haben. Dies erklärt zugleich, weshalb in manchen Ländern, die einen grundlegenden wirtschaftspolitischen Richtungswechsel vorgenommen haben, die Signifikanz von Projekten plötzlich und unerwartet zunimmt: Dadurch, daß sich das Umfeld verändert, entsteht plötzlich eine Nachfrage für Leistungen, die von den Projekten erbracht werden.

    4.5 Das Spannungsverhältnis von Nachhaltigkeit und Signifikanz

    Die TZ ist prinzipiell auf die dauerhafte und langfristige Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der Menschen gerichtet; Nachhaltigkeit von Entwicklungsprojekten stellt daher fraglos ein wesentliches Erfolgskriterium dar. Diesem Problem ist in der entwicklungspolitischen Diskussion der vergangenen Jahre, auch innerhalb von BMZ und GTZ, große Aufmerksamkeit geschenkt worden. Gleichwohl besteht über die Definition von Nachhaltigkeit keineswegs Einigkeit. So werden in einer Querschnittsanalyse des BMZ, die sich mit der Nachhaltigkeit von TZ-Projekten befaßte, drei unterschiedliche Konzepte von Nachhaltigkeit diskutiert:

    1. Nachhaltigkeit ist dann gegeben, wenn die angestrebten Projektwirkungen auch nach Beendigung der Projektübergabe für die Zielgruppe Bestand haben.
    2. Nachhaltigkeit ist nicht dadurch bestimmt, was vom Projekt erhalten bleibt, sondern was vom Projekt in Gang gesetzt wurde.
    3. Nachhaltigkeit kann auch erreicht sein, wenn erstens aus dem Projekt horizontale spill-overs in Nachbarregionen/-sektoren stattfinden oder zweitens die Projektidee oder der Projektansatz auf einer höheren Entscheidungsebene als Grundlage oder als Teil von nationalen Standards oder nationalen Politiken wirkt und somit die Rolle eines Beispielfalls übernimmt.

    Die erste Definition ist unter den Bedingungen eines sich schnell verändernden Projektumfelds in vielen Fällen zu eng. Genauso wie schon während der Projektlaufzeit das Projektziel und der angestrebte Projektoutput häufig an ein verändertes Projektumfeld angepaßt werden müssen, wird dies häufig auch nach Projektende erforderlich sein. Deshalb sollten gerade auch diejenigen Projekte als nachhaltig eingestuft werden, die den Projektträger in den Stand gesetzt haben, die Projektkonzeption eigenständig an sich ändernde Rahmenbedingungen anzupassen.

    Die dritte Definition spricht im Kern die Breitenwirksamkeit von Projekten an und ist daher zu weit. Auch Projekte mit bescheidener Zielsetzung und geringen Ausstrahlungseffekten, die vom Projektträger eigenständig weitergeführt oder weiterentwickelt werden können, sind als nachhaltig zu bezeichnen.

    Die beiden Dimensionen Nachhaltigkeit und Breitenwirksamkeit sollten daher analytisch sorgfältig auseinandergehalten werden. Wir verstehen Nachhaltigkeit im Sinne der beiden ersten Definitionen. Die Frage nach der Signifikanz thematisiert demgegenüber, ob Projekterfolge in fühlbare Entwicklungsimpulse und -erfolge umgesetzt werden. Dies ist dann der Fall, wenn ein Projekt breitenwirksam ist (sektoral, regional) oder zur Strukturbildung beiträgt oder Modellcharakter besitzt, d.h. in anderen Sektoren oder Regionen wiederholbar ist.

    Nachhaltigkeit und Signifikanz stehen häufig in einem Spannungsverhältnis:

    So ist es z.B. möglich, ein Maximum an Nachhaltigkeit auf Projektebene zu erzielen (z.B. Einrichtung eines Labors in einer Universitätsfakultät), ohne einen signifikanten Beitrag zur Lösung eines Entwicklungsproblems in einem spezifischen Sektor bzw. einer Region geleistet zu haben (z.B. Notwendigkeit einer Bildungsreform). Nicht in das gesellschaftliche Umfeld integrierte "Projektinseln" können durchaus nachhaltig sein. Evaluierungen zur Nachhaltigkeit in Agrarprojekten kommen sogar zu dem Ergebnis, daß "Projekte mit hoher Nachhaltigkeit fast ausschließlich kleine monokausale Projekte waren: Je bescheidener, um so wirkungsvoller".

    Weiterhin gilt in der Tendenz, daß insbesondere in einem turbulenten und leistungsschwachen Umfeld Nachhaltigkeit leichter in Projekten mit marginalen Ausstrahlungseffekten zu erreichen ist als in auf Signifikanz, also die Beeinflussung und Veränderung des Umfeldes, abzielenden Vorhaben.

    Aus diesen Überlegungen sind die Schlußfolgerungen zu ziehen, daß

    4.6 Besondere Anforderungen an signifikante Projekte

    Über die generellen Erfolgsbedingungen für effektive und nachhaltige Projekte hinaus stellen Vorhaben, die darauf ausgelegt sind, signifikante entwicklungspolitische Wirkungen zu entfalten, besonders hohe Anforderungen an die Qualität der Projektfindung, planung und durchführung.

    Es besteht mithin ein erheblicher Bedarf zur Verbesserung der TZ, um einen breitenwirksamen und nachhaltigen Beitrag zur Stärkung der technologischen Kompetenz von Entwicklungsländern leisten zu können.

    5 Schlußfolgerungen und Empfehlungen für die technologieorientierte Technische Zusammenarbeit

    5.1 Hauptprobleme und ziele technologieorientierter Technischer Zusammenarbeit

    Technologie und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit

    Ohne den gezielten Aufbau bzw. die Stärkung von technologischer Kompetenz haben marktwirtschaftliche Ansätze, die in der EZ und in vielen Entwicklungsländern heute als wichtige Rahmenbedingungen angesehen werden, keine Zukunftsperspektive. Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, muß die TZ zur Stärkung und des Verbundes aller vier Säulen technologischer Kompetenz beitragen.

    Um internationale Effizienzstandards zu erreichen, muß der Transfer von modernen Technologien aus dem Ausland intensiviert werden. Der Erwerb von Technologie ist vor allem deshalb eine attraktive Option, weil es häufig preiswerter ist, geeignete Technologiekomponenten im Ausland zu erwerben, als sie selbst zu entwickeln. Technologische Kompetenz und Technologietransfer stehen dabei in einem komplementären Verhältnis: Ohne eine ausreichende technologische Kompetenz sind keine begründeten Wahlentscheidungen möglich, kann keine Anpassung der Technologie erfolgen. Kritische Faktoren für den Erfolg von Technologietransfer sind darüber hinaus die Dauerhaftigkeit der Beziehung zwischen Technologiegeber und nehmer sowie die Erfahrung des Technologiegebers mit Technologietransfer und Operationen im Ausland.

    Die EZ versucht seit langem, den privatwirtschaftlichen Technologietransfer zu stimulieren und zu fördern. Mit Hilfe spezifischer Programme sollen insbesondere Direktinvestitionen sowie Lizenzexporte in Entwicklungsländer angeregt werden (Niederlassungs- und Technologieprogramm, Garantien, finanzielle Anreize, Integrierter Beratungsdienst/IBD, DEG). Die Erfahrung zeigt allerdings: Jene Programme, die auf die Stimulierung der Technologietransfer-Aktivitäten privater deutscher Unternehmen abzielten, haben die in sie gesetzten Erwartungen nur teilweise erfüllt. Das Niederlassungsprogramm etwa wurde vornehmlich bei Investitionen in Ländern genutzt, die ohnehin besonders attraktiv sind. In anderen Ländern werden Instrumente dieser Art erst dann wirksam, wenn sich die Rahmenbedingungen nachhaltig verbessert haben. Dynamische wirtschaftliche Entwicklung stimuliert Direktinvestitionen der Privatwirtschaft, nicht umgekehrt.

    Bei allen Maßnahmen der TZ, die auf die Erhöhung der Leistungsfähigkeit einzelner Unternehmen zielen (Förderung betrieblicher Ausbildung, Teile des IBD, Förderung der Klein- und Mittelindustrie sowie des Handwerks), gilt es, Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, z.B. durch die Einbettung einzelbetrieblicher Förderung in sektorweite Beratungsprogramme. Die Förderung einzelner Unternehmen sollte nicht zu Lasten von Maßnahmen gehen, die auf der überbetrieblichen Ebene - die die systemkonforme Interventionsebene ist - ansetzen (z.B. Förderung von Managementinstituten, Innovationsberatungsstellen und Technologieinstituten).

    Viele Institutionen und Qualifikationen, die in der Vergangenheit mit Hilfe der TZ aufgebaut worden sind, erhalten in einem effizienz- und wettbewerbsorientierten Umfeld eine neue, viel wichtigere Funktion. Wenn die bisherigen technologiebezogenen Instrumente der TZ nicht zu vollständig befriedigenden Ergebnissen geführt haben, so ist dies in nicht geringem Maße auf die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Nehmerländern zurückzuführen. Die Erfahrungen in jenen Ländern, die eine Strategie der importsubstitutierenden Industrialisierung verfolgt haben, sind sehr instruktiv: Hier bestand zwar ein Technologiebedarf, jedoch kein systemischer Druck zu technologischem Lernen und eigenständigen Innovationsanstrengungen. Auf einem geschützten Binnenmarkt ließen sich problemlos Güter absetzen, die weit hinter internationalen Qualitätsstandards zurückblieben. Daher nahmen die Unternehmen die bestehenden Angebote von Technologieinstituten oder MNPQ-Einrichtungen nicht wahr.

    Im neuen wirtschaftspolitischen Rahmen wachsen die Erfolgsaussichten von Projekten, die auf den Aufbau nationaler technologieorientierter Institutionen und Bildungseinrichtungen zielen. Die Unternehmen geraten nunmehr unter starken Anpassungsdruck und fragen technologische Beratung nach, insbesondere im Bereich der Qualitätssicherung. Die Institutionen sollten mit geeigneten Anreizen dazu bewegt werden, verstärkt die Zusammenarbeit mit Unternehmen zu suchen - und zwar nicht nur mit den bereits wettbewerbsfähigen Spitzenperformern, sondern auch mit modernisierungsfähigen Unternehmen mit Entwicklungspotential.

    Neue Technologien

    Neue Technologien werden bislang in erster Linie als Bedrohung für die Entwicklungsländer wahrgenommen, weil ein beschleunigter und überdies radikaler technologischer Wandel die technologische Kluft zu vertiefen droht und die Entwicklung neuer Prozesse und Produkte die Exporte vieler Entwicklungsländer gefährdet. Allerdings bieten Neue Technologien auch eine Reihe von entwicklungspolitischen Möglichkeiten:

    Spezifische entwicklungspolitische Ansatzpunkte sind

    Für diese Zwecke sollten auch das Wissen und das Potential regionaler Institutionen, z.B. der internationalen Agrarforschungsinstitute oder der neuen UNIDO-Zentren für Bio- und Gentechnologie, sowie nationaler Forschungs- und Technologieinstitute in Entwicklungsländern genutzt werden.

    Im Bereich neuer Technologien ist der dual use-Problematik Rechnung zu tragen. Die anstehende Reform der COCOM-Liste wird hier wichtige Eckdaten vorgeben.

    Technologie und Armutsbekämpfung

    Technologieorientierte Projekte der TZ können in zweierlei Weise einen Beitrag zur Armutsbekämpfung leisten:

    Indirekter Ansatz: Eine verbesserte technologische Kompetenz im modernen Sektor steigert die Produktivität einer Volkswirtschaft. Dies schafft interne Umverteilungsspielräume, die etwa für Beschäftigungsprogramme, Basisgesundheitsdienste oder eine Grundsicherung verwandt werden können.

    Direkter Ansatz: Hier geht es um die gezielte Stärkung der technologischen Kompetenz der Zielgruppe der Armen. Es wäre allerdings falsch, sich im Rahmen des direkten Ansatzes auf die Anwendung von Einfachtechnologien zu beschränken. Wenn beispielsweise einfache Werkzeuge mit hochentwickelten Organisationsmustern der Wasserverteilung und profundem Wissen über Ökosystemzusammenhänge kombiniert werden, entsteht ohne Zweifel ein technologisch hochentwickeltes Produktionssystem. Mithin sollte auch im Rahmen eines Konzepts direkter Armutsbekämpfung, das auf die Verbesserung der Selbsthilfefähigkeit der Armen durch die Förderung produktiver Aktivitäten zielt, ein relativ breites Spektrum von Einfach- bis Hochtechnologien genutzt werden. Zugleich geht es darum, den bias für vordergründig "moderne", häufig kapitalintensive und ursprünglich für den Einsatz in Hochlohnländern entwickelte Techniken und Technologien abzumildern und die technologischen Optionen zu erweitern. Letzteres ist in der Vergangenheit vor allem von den Verfechtern des Konzepts "angepaßter Technologie" (AT) versucht worden. Der bislang begrenzte Erfolg des AT-Konzepts war einem AT-feindlichen politischen und wirtschaftlichen Umfeld, aber auch einer zeitweisen Überbetonung von Einfachtechnologien und der technischen Komponente (Entwicklung nur vordergründig angepaßter Produkte und einfacher Produktionsverfahren), der mitunter mangelnden Zielgruppenbeteiligung und nicht selten der Vernachlässigung ökonomischer Rentabilitätsaspekte geschuldet.

    Künftig wird es im Rahmen der direkten Armutsbekämpfung darum gehen müssen, stärker als bisher die vorhandene technologische Kompetenz wahrzunehmen bzw. systematisch zu erfassen und daran anknüpfend - im Sinne einer engpaßorientierten Herangehensweise - unter frühzeitiger Beteiligung der Zielgruppe die technologische Kompetenz zu stärken. Dies umfaßt alle vier Komponenten von Technologie, also z.B.

    Zu berücksichtigen ist gerade in diesem Zusammenhang, daß Technologie und technologischer Wandel mit Veränderungen in der geschlechtlichen Arbeitsteilung eng verknüpft sind. Soziale Veränderungen, die in der Vergangenheit mit der Einführung neuer Technologien einher gegangen sind, waren häufig zugleich Veränderungen in der geschlechtlichen Arbeitsteilung zu Lasten der Frauen, die sich im Nachhinein als dysfunktional erwiesen haben. Daher ist die Frage nach den Wirkungen auf Frauen bei der Initiierung technologischer Veränderungen von zentraler Bedeutung.

    Jenseits der Ebene der einzelnen Produzenten sind auch im Kontext von direkter Armutsbekämpfung Technologieinstitutionen bedeutsam; Beispiele sind AT-Organisationen, von denen viele heute mehr als früher nutzerorientiert sind und einen Ansatz der Förderung von Unternehmertum verfolgen - Ergebnis organisationsinterner Lernprozesse, denen zufolge die Ausnutzung des individuellen Gewinnstrebens die Verbreitung typischer AT-Produkte entscheidend fördert.

    Die Spielräume der Förderung von produktiven Aktivitäten armer Bevölkerungsgruppen sind in erheblichem Maße von Faktoren auf der Makro-Ebene abhängig. In der Vergangenheit ist das Entstehen landwirtschaftlicher und gewerblicher Kleinst- und Kleinbetriebe häufig durch den Staat behindert worden. Bestimmte stabile Rahmenbedingungen - ein Preissystem, das nicht nur kurzfristig funktioniert, sondern das Vertrauen der ökonomischen Akteure genießt; eine Handels- und Kreditpolitik, die nicht Großbetriebe und kapitalintensive Produktion bevorzugt; transparente administrative Strukturen - stellen in einer wachsenden Zahl von Ländern einen Stimulus für die Entfaltung von Unternehmertum dar. Gleichwohl ist dies nur eine notwendige, nicht jedoch hinreichende Voraussetzung, weil auch auf freien Märkten Macht ungleich verteilt ist. Die Entwicklung von Mikro- und Kleinunternehmen, die mit "angepaßten Technologien" arbeiten, muß durch gezielte Finanzierungsprogramme, Zuteilung von Devisen und technologiepolitische Interventionen unterstützt werden.

    Technologie und Umwelt

    Der Einsatz von Technologie kann Umweltschädigungen hervorrufen, gleichzeitig jedoch die Grundlage einer neuen, umweltverträglicheren und ressourcenschonenderen Wachstumsstrategie sein. Ansatzpunkte für die TZ sind

    In vielen Entwicklungsländern wächst die Bereitschaft zur Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen. Der Erfolg von Umweltschutzpolitik ist mit allen vier Säulen technologischer Kompetenz verknüpft, die gezielt durch TZ gestärkt werden können:

    Rahmenbedingungen: Die möglichst rasche Einführung international üblicher umweltpolitischer Standards und ihre Durchsetzung durch auf ökologische Effizienz ausgerichtete marktwirtchaftliche Anreize (u.a. Steuersystem) sowie Umweltschutzvorschriften sind wesentliche Bestandteile moderner, innovationsorientierter Wirtschaftssysteme.

    Technologieorientierte Institutionen und Akteure spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung umweltfreundlicher Technologien, aber auch bei Kontrollen zur Umsetzung von Umweltschutzregulierungen.

    Technologieorientierte Bildungsinstitutionen sind wesentlich, um umweltorientiertes Denken und Handeln zu fördern. Besonders wichtig ist es, die Umweltdimension in die Curricula der Einrichtungen der beruflichen Bildung sowie der tertiären Ausbildung (Techniker, Ingenieure, Manager etc.) zu integrieren.

    Unternehmen: Die Fähigkeit von Landwirtschaftsbetrieben und Industrieunternehmen, umweltfreundliche Prozesse einzusetzen und umweltverträgliche Produkte herzustellen, erfordert eine hohe technologische Kompetenz. Diese muß auch durch den Transfer umweltfreundlicher Technologien aus den Industrieländern gestärkt werden.

    Angesichts der Globalisierung von Umweltproblemen haben die Industrieländer ein Interesse daran, daß auch die Entwicklungsländer einen umweltverträglichen Entwicklungsweg einschlagen. Gleichwohl war die Forderung der Entwicklungsländer nach freiem oder kostengünstigem Transfer umweltschonender Technologien einer der besonders kontroversen Punkte im Kontext der UNCED. Die Industrieländer verteidigen das Prinzip der privaten Eigentumsrechte an Technologien. Ein finanzieller Beitrag, um den Transfer teurer, aber umweltfreundlicher Technologien und deren Einsatz in Entwicklungsländern zu fördern, kann in Einzelfällen gerechtfertigt sein. Privatwirtschaftliche Initiativen, Umweltschutz-Investitionen in Drittländern (mit einem starken Entlastungseffekt) statt im Inland (mit einem marginalen Entlastungseffekt) zu tätigen, sollten aufgenommen und unterstützt werden. Die Unternehmen sollten insbesondere ermutigt werden, nicht nur einen finanziellen Beitrag zu leisten, sondern sich direkt im Know-how-Transfer zu engagieren. Die Unterstützung durch erfahrene Trägerinstitutionen der TZ kann sicherstellen, daß dabei typische Fehler vermieden werden (Überschätzung der technologischen Kompetenz des Empfängers, unzureichender Transfer von organisatorischem Know-how, unzureichendes Training des Technologieempfängers, Kurzfristorientierung der Beziehung zwischen Technologiegeber und -nehmer).

    5.2 Empfehlungen zu einzelnen Säulen technologischer Kompetenz

    Gestaltung von innovationsfördernden Rahmenbedingungen

    Technologie ist eine Querschnittskategorie. Institutionen, die sich ausschließlich der Politikformulierung in diesem Feld widmen (Technologieministerien, Nationale Technologiekommissionen u.ä.), haben sich in der Vergangenheit in den meisten Entwicklungsländern gegenüber sektoralen Interessen als wenig durchsetzungsfähig erwiesen. Dies ist ein strukturelles Problem, das sich durch den Einsatz von Regierungsberatern in den genannten Institutionen meist nicht lösen läßt.

    Demgegenüber hat sich gezeigt, daß die Flankierung von Projekten auf der operativen Ebene durch Regierungsberatung sinnvoll ist - Beratung bei der Neuformulierung von Hochschulpolitik zur Unterstützung von Hochschulprojekten, bei der Neuformulierung von industrieller Modernisierungspolitik zur Unterstützung von Projekten, die Technologieinstitutionen mit sektoraler Spezialisierung stärken, usw.

    Im Bereich des Technologiemanagements kann auch eine Beratung von zentralen Institutionen mit echten wirtschaftspolitischen Kompetenzen sinnvoll sein, und zwar hinsichtlich der Organisation

    Es ist allerdings - angesichts des jeweiligen nationalen Bedarfs sowie der Anfragen aus osteuropäischen Ländern - keine realistische Annahme, daß eine größere Zahl von "Technologiemanagern" aus Industrieländern für die Regierungsberatung in Entwicklungsländern gewonnen werden kann. Auf der anderen Seite gibt es viele qualifizierte Techniker und Wissenschaftler, die aus Entwicklungsländern stammen, aber in Industrieländern arbeiten. Zeitlich begrenzte Aufenthalte solcher Fachkräfte in ihren Heimatländern sollten finanziell gefördert werden. Hier könnte ein Ansatzpunkt für ein gemeinsames Programm mit der privaten Wirtschaft liegen, wo viele dieser Fachkräfte tätig sind. Eine Möglichkeit wäre die zumindest teilweise Übernahme der Kosten von sabbaticals für Manager aus Unternehmen oder das sponsoring von zeitlich befristeten Dozenturen oder Gastforschern aus Mitteln der TZ.

    Aufbau und Stärkung technologieorientierter Institutionen

    Erfahrungen aus den Industrieländern mit Technologieinstitutionen und technologischen Netzwerken aus Unternehmen, Universitäten und Forschungsinstituten sind nicht ohne weiteres auf Entwicklungsländer und auf gar keinen Fall auf LDCs übertragbar. Derartige Netzwerke haben sich dort herausgebildet, wo Unternehmen in einem scharfen Innovations-, Qualitäts- und Zeitwettbewerb stehen. Sie setzen voraus, daß auf der Unternehmensebene Innovationsaktivitäten als solche erkannt und gefördert werden; diese Situation ist nur für solche Unternehmen aus Entwicklungsländern gegeben, die in entsprechenden Segmenten des Weltmarkts operieren. Mithin ist der Aufbau eines technologischen Netzwerks keine Aktivität, die voluntaristisch - etwa durch Entsendung eines Moderators - betrieben werden kann. Unternehmen in Entwicklungsländern stehen der Idee einer engen Zusammenarbeit mit (noch dazu staatlichen) Institutionen und anderen Unternehmen meist skeptisch bis ablehnend gegenüber; dahinter stehen die Angst vor dem Verlust an Know-how an Trittbrettfahrer und ein ausgeprägtes Konkurrenzbewußtsein. Unternehmen bilden nur dann Netzwerke, wenn erstens der Nutzen die Kosten eindeutig überwiegt und zweitens die sozio-kulturellen Voraussetzungen, insbesondere eine Vertrauensbasis, vorhanden bzw. zu schaffen sind.

    Der Aufbau bzw. die Restrukturierung von Technologieinstitutionen ist mithin eine außerordentlich anspruchsvolle Aufgabe. Die Berücksichtigung der folgenden Aspekte kann dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit von Mißerfolgen zu reduzieren:

    Aufbau und Stärkung von Bildungsinstitutionen

    Projekte im Bildungssektor leisten ein Beitrag zur langfristigen Herausbildung von technologischer Kompetenz. Eine solide Grundbildung ist die unverzichtbare Voraussetzung für effektive Programme in der Sekundarbildung. Der Aufbau von Institutionen der Sekundarbildung sowie von Hochschulen kann auch dann sinnvoll sein, wenn die aktuelle Nachfrage nach ihren Absolventen aufgrund des geringen Entwicklungsniveaus niedrig ist, denn die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften nimmt im Zuge dynamischer Entwicklungsprozesse rasch zu.

    Einrichtungen der Berufsbildung leisten mit den etablierten, i.d.R. mehrjährigen Ausbildungsangeboten einen zentralen Beitrag zur Stärkung technologischer Kompetenz. Berufliche Bildung sollte nicht nur technische Qualifikationen, sondern auch elementare Managementkenntnisse (für mögliche Existenzgründer) und soziale Kompetenz vermitteln. Die Bedeutung der beruflichen Bildung wird künftig noch wachsen, weil mit der zunehmenden Weltmarktorientierung vieler Entwicklungsländer sowie der Verbreitung neuer Produktionskonzepte in der Industrie die Nachfrage nach qualifizierten Facharbeitern und gut ausgebildetem kaufmännischen Personal steigt. Darüber hinaus können Berufsbildungsinstitutionen mit weiteren Angeboten Beiträge zur Stärkung technologischer Kompetenz leisten:

    Berufliche Bildung hat bei einer fehlenden technischen Kultur eine wichtige Sozialisierungsfunktion. Der Aufbau von Bildungssystemen wird daher häufig länger dauern als in Industrieländern. Bei der Beurteilung von Effektivität, Effizienz und Signifikanz sollten die Faktoren Beitrag zum Aufbau einer technischen Kultur und zur Verbesserung von Chancengleichheit durch Schaffung beruflicher Aufstiegsmöglichkeiten auch für benachteiligte gesellschaftliche Gruppen - und damit der Beitrag zur Stärkung gesellschaftlicher Lernfähigkeit berücksichtigt - werden.

    Verbundorientierte Technische Zusammenarbeit

    Kernausaussage der Studie ist, daß technologische Kompetenz durch die Interaktion zwischen den vier Säulen entsteht. TZ-Projekte können in der Regel einer dieser Säulen (meist der dritten oder vierten Säule: technologieorientierte Institutionen/Bildungssystem) zugeordnet werden (vgl. Anlage). Sie leisten erst dann mehr als einen partiellen Beitrag, wenn sie dem systemischen Charakter technologischer Kompetenz Rechnung tragen. Signifikanzorientierte TZ bedeutet vor allem, zum Aufbau von Verbundsystemen beizutragen bzw. die Einbindung des jeweiligen TZ-Beitrages in bereits existierende Strukturen des nationalen Innovationssystems zu berücksichtigen. Essentiell ist die enge Anbindung von technologierelevanten Projekten an den produktiven Sektor (erste Säule), um rasche Lernprozesse in den Unternehmen und Institutionen zu fördern. Wesentlich ist es zudem, die technologierelevanten Rahmenbedingungen (zweite Säule) zu berücksichtigen. Innovationsfeindliche Rahmenbedingungen (z.B. überzogene und dauerhafte Protektion nationaler Wirtschaftszweige) können noch so ambitionierte Aktivitäten im Technologiebereich blockieren.

    In leistungsstärkeren Ländern kann eine verbundorientierte TZ häufig auf die Schnittstellen zwischen Unternehmen sowie privaten und staatlichen Institutionen ausgerichtet werden, um deren Vernetzung zu fördern. Das Schwergewicht liegt auf der Stärkung der Interaktionen zwischen den Säulen der technologischen Kompetenz. In schwächeren Ländern, mit fehlenden Strukturen und wenig leistungsfähigen Akteuren auf den relevanten Aktionsebenen, sollte die verbundorientierte TZ zugleich auf mehreren Ebenen mit aufeinander abgestimmten Instrumenten (z.B. Fakultätsförderung plus Beratung für Universitätsreform) tätig werden. Es geht also um die Förderung, oft den Neuaufbau von Basisinstitutionen in den jeweiligen Bereichen und eine möglichst frühzeitig angesteuerte Vernetzung zwischen den relevanten Institutionen und Akteuren.

    5.3 Empfehlungen nach Ländertypen

    5.3.1 Technologieorientierte Projekte in weniger fortgeschrittenen Entwicklungsländern

    Die prägende Rahmenbedingung für Regierungshandeln und damit auch für die Technologiepolitik in weniger fortgeschrittenen Entwicklungsländern ist die Strukturanpassungspolitik, die in vielen von ihnen umgesetzt wird. Diese Politik bewegte sich in der Vergangenheit überwiegend auf der Makroebene; erst in letzter Zeit werden auch Sektorbereiche (z.B. die Landwirtschaft) verstärkt einbezogen. Bei derartigen sektorbezogenen Teilprogrammen sollte künftig mehr als bisher die technologische bzw. technologiepolitische Dimension mitreflektiert und explizit gemacht werden.

    In LDCs kann bislang von der Existenz einer Technologiepolitik ebensowenig die Rede sein wie von der eines nationalen Innovationssystems. Die Gründe dafür sind

    Keinen Ausweg aus diesem Dilemma bietet der Aufbau eines Technologieministeriums - mit einer zusätzlichen Einrichtung werden zusätzliche Bürokratien geschaffen und die ohnehin zu dünne Personaldecke im Bereich hochqualifizierter Fachkräfte noch weiter gestreckt. Auch die Entsendung eines Regierungsberaters für eine solche Einrichtung würde daran wenig ändern. Ansatzpunkte sind eher

    Im Hinblick auf den letzten Punkt sind zwei Anmerkungen angebracht.

    Geberkonkurrenz und fehlende Koordinierung

    Besonders kompliziert ist die Situation in solchen armen, strukturschwachen Ländern, die donor-driven sind. Die nationalen Akteure sind hier kaum in der Lage, Strategien zu formulieren. Im strukturpolitischen Bereich fehlt es an Prioritätensetzungen und Orientierungen, so daß eine Strukturbildung "von innen her" nicht gelingt. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, daß mit einer unüberschaubaren Zahl von TZ-Projekten der internationalen Gebergemeinschaft, die üblicherweise von ihrer Reichweite her begrenzt (also nicht signifikant) sind, kaum ein fühlbarer Beitrag zur Strukturbildung "von außen her" angestoßen werden konnte. Die atomistischen und diffusen nationalen Strukturen werden überlagert durch eine internationale Zusammenarbeit, die durch eine fehlende Schwerpunktsetzung der Geberländer und -organisationen sowie eine unzureichende Geberkoordinierung gekennzeichnet ist.

    Im Ergebnis werden häufig in ein und demselben Sektor divergierende Politikkonzepte verschiedener Geberorganisationen umgesetzt, was die Stärkung der Strategiefähigkeit der nationalen Akteure und somit eine systematische und dringend erforderliche Strukturbildung erschwert. Die nationalen Institutionen sind nicht in der Lage, die Vielzahl der Vorhaben und die (wechselnden) Projektkonzeptionen in mittel- und langfristig orientierte nationale Politikstrategien einzubinden. Vielmehr sind die Politiken in den jeweiligen Sektoren Spiegelbild der Umsetzung vielfältiger, nicht notwendigerweise kompatibler Geberaktivitäten, die in der Regel einer engen Projektsicht verhaftet bleiben und die Einbettung der Projekte in das Projektumfeld und damit einen Beitrag zur Strukturbildung selten systematisch berücksichtigen.

    Während es in manchen dieser Länder auf der Ebene der Makroökonomie gelungen ist, die Wirtschaftspolitik zu stabilisieren und dieser eine Richtung zu geben, an der sich die Unternehmen orientieren können (Außenöffnung, Stärkung der Marktkräfte usw.), bleibt die Entwicklung im Bereich zwischen den Makrobedingungen und den Mikroakteuren weitgehend richtungslos. Strukturbildung im Mesoraum, ohne die auch die makroökonomischen Reformen nicht zur angestrebten Reaktivierung der Ökonomien führen, kann so kaum gelingen.

    Diese unbefriedigende Situation ist nur durch eine Schärfung der Geberprofile, eindeutige Schwerpunktsetzungen und Geberkoordinierung abzustellen. TZ-Vorhaben sollten zur Entwicklung von Strategiefähigkeit der nationalen Akteure in den jeweiligen Sektoren beitragen und daher von Anfang an auf Signifikanz abzielen. Ähnlich wie auf der Ebene der wirtschaftlichen Makropolitik ist es im Mesoraum wesentlich, "strukturpolitische Korridore" zu schaffen, in die nationale Vorhaben wie Geberprojekte eingepaßt werden können. Nur so können atomistische Strukturen überwunden werden und sukzessive verläßliche Rahmenbedingungen für die nationalen Akteure entstehen.

    5.3.2 Technologieorientierte Projekte in fortgeschrittenen Entwicklungsländern

    In fortgeschrittenen Entwicklungsländern sind häufig die wesentlichen Elemente eines Innovationssystems vorhanden. Oft dominieren jedoch fragmentierte Strukturen und eine Ferne zum produktiven Sektor. Während es in schwachen Ländern in vielen Bereichen um den Neuaufbau von Trägerstrukturen und die Vermittlung von grundlegendem Know-how geht, gilt es fortgeschrittenen Gesellschaften, einen Beitrag dazu zu leisten, die vorhandenen Akteure zu mobilisieren, deren Effektivität und Effizienz zu steigern, die Fragmentierung durch die Ansteuerung von Verbundsystemen zu überwinden und die technologierelevanten Einrichtungen rasch an den Unternehmenssektor heranzuführen. Dazu reichen in vielen Fällen Aktivitäten aus, die Katalysatorwirkungen entfalten können.

    In fortgeschrittenen Entwicklungsländern sollten sich technologieorientierte Projekte an folgenden Leitvorstellungen orientieren:

    Daran anschließend ist an die folgenden spezifischen unternehmensbezogenen Aktivitäten zu denken, bei denen FZ-Aktivitäten mit TZ flankiert werden können:

    Folgende spezifische Aktivitäten zur Förderung technologieorientierter Institutionen können ins Auge gefaßt werden:

    In Lateinamerika und Ost-/Südostasien sind darüber hinaus folgende länderübergreifende Förderungsansätze bedenkenswert:

    5.4 Verbesserung des Prozesses der Projektidentifizierung, planung
    und durchführung

    Auf der Projektebene sind folgende Schlußfolgerungen zu ziehen:

    5.5 Präferenz für signifikante Vorhaben

    Eine strategische Sicht auf die Projektpolitik

    Ziel technologieorientierter TZ-Projekte ist der Beitrag zum Aufbau eines nationalen Innovationssystems. Der Erfolg eines technologieorientierten Projekts bemißt sich vor allem in der Dichte des Netzwerks, das um das Projekt herum entstanden ist. Ein isoliertes technologieorientiertes Projekt ist in jedem Fall ein Fehlschlag. Daher sollte im Falle der technologieorientierten TZ der Beitrag zur Strukturbildung - d.h. Signifikanz - zu einem ebenso zentralen Kriterium der Projektauswahl und -planung werden wie Effektivität und Nachhaltigkeit.

    Die Betonung der Signifikanz führt zu einer strategischen Sicht auf die Projektpolitik. Die entscheidende Frage ist nicht, ob ein Projekt als solches gut funktioniert (effektiv ist) und eines der vielfältigen Probleme löst, sondern ob ein Projekt einen signifikanten Beitrag zur Lösung eines Problems leistet, das im Kontext einer konkreten Entwicklungsstrategie als besonders dringend erkannt wurde. Dies gilt aufgrund des systemischen Charakters von technologischer Kompetenz insbesondere für technologierelevante Projekte, wohl aber auch für die TZ in anderen Bereichen.

    Aus der Sicht eines Entwicklungslands mit einer starken Entwicklungsorientierung und einer klaren Entwicklungsstrategie stellt sich nicht das Problem, möglichst viele, in sich stimmige (effektive) Entwicklungsprojekte zu akquirieren. Vielmehr geht es um die Frage, wie vereinzelte Projekterfolge in fühlbare systemische Entwicklungserfolge transformiert werden können. Diese Problematik gilt insbesondere auch für schwächere Entwicklungsländer wie Bolivien, in denen es nicht an durchaus in sich stimmigen Projekten der internationalen Gebergemeinschaft mangelt. Der entwicklungspolitische Beitrag der vielfältigen Projektaktivitäten ist gleichwohl begrenzt, und zwar vor allem deshalb, weil die Projekte nur sehr unzureichend in ihr Projektumfeld hineinwirken. Ins Zentrum muß daher die entwicklungspolitisch relevantere Frage nach dem möglichen Beitrag eines Vorhabens zur Entwicklung und Strukturbildung in einem wichtigen Bereich rücken und es gilt die bisherige Praxis zu überwinden, die Binnenperspektive der Projekte überzubetonen.

    Systemförderung

    Die Maximallösung zur Sicherstellung von Signifikanz wäre, in einem leistungsschwachen, aber wichtigen Sektor nicht mehr nur punktuelle Ansätze zu verfolgen, sondern breitenwirksame Strukturreformen zu fördern. Denkbar wäre eine "Systemförderung", die auf aufeinander abgestimmten Förderinstrumenten auf unerschiedlichen Ebenen aufbaut. Dies hieße z.B., auf breiterer Ebene zur Modernisierung der Universitätslandschaft beizutragen, also neben einem Fakultätsprojekt zugleich komplementäre Beratung auf der Ebene der Universität (institutionelle Beratung, Reorganisation der Verwaltung) und/oder des Ministeriums (Bildungsplanung, Universitätsreform) zu leisten. Auf Breitenwirksamkeit in einem ausgewählten Sektor ausgerichtete technische Zusammenarbeit ist gerade in schwachen Ländern notwendig, aber kompliziert. Die problemlose Durchführung von Projekten und Nachhaltigkeit sind einfacher in kleinen, wenig komplexen Vorhaben zu erreichen.

    Das Ziel, möglichst signifikante, gezielt in ihr Umfeld integrierte, strukturbildende Projekte zu präferieren, führt zu der Frage, wie über die klassische Förderung eines Trägers hinaus weitere Umfeldinstitutionen beeinflußt oder gar ganze Trägersysteme gestärkt werden können. Solche Versuche, die gesellschaftliche Selbstorganisationsfähigkeit zu stärken, sind anspruchsvoll. Angesichts der Ausgangslage, die in der Regel durch eine geringe Leistungsfähigkeit der relevanten intermediären staatlichen und privaten Institutionen und schwache Interaktion zwischen diesen gekennzeichnet ist, müssen von den Projekten erhebliche Ressourcen eingeplant werden, wenn Trägersysteme gefördert werden sollen. Wenn solche Vorhaben gelingen, können sie einen wichtigen Beitrag leisten, um die Problemlösungskapazitäten in einem Sektor zu steigern. Wenig erfolgreich sind Projekte, die Moderatoren- und Vernetzungsfunktionen wahrnehmen sollen, wenn noch keine leistungsfähigen Akteure entstanden sind. Auf Vernetzung ausgerichtete Projekte setzten halbwegs stabile Rahmenbedingungen in dem jeweiligen Sektor voraus und erfordern strategiefähige Akteure.

    Schlechte Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit wenig leistungsfähigen staatlichen Institutionen haben zu einer Umorientierung in der Trägerauswahl geführt. Präferiert wird nun die Kooperation mit nicht-staatlichen Organisationen. Die Hoffnung, den schwachen Staat durch die Mobilisierung gesellschaftlicher Akteure substituieren zu können, übersieht jedoch, daß dauerhafte Entwicklung auf die Leistungsfähigkeit beider sowie den Aufbau stabiler Rahmenbedingungen angewiesen bleibt. Auf Signifikanz zielende Projekte sollten diesen Zusammenhang berücksichtigen.

    Schwerpunktsetzung

    Diese Überlegungen legen eine deutliche Schwerpunktsetzung der deutschen TZ nahe. Erst ein längerfristiges Engagement in wenigen (zwei oder drei Politikfeldern bzw. Sektoren) als Alternative zum "Gießkannenprinzip"

    Entwicklung eines prononcierten deutschen Angebotsprofils

    Die Ergebnisse der Studie legen nahe, daß sich eine Schwerpunktsetzung an den deutschen Angebotsstärken (letztlich am "deutschen Wettbewerbsvorteil" im Vergleich zu dem anderer Geberländer) orientieren sollte. Die EZ sollte sich in Projekten, die zur Stärkung der technologischen Kompetenz beitragen, auf solche Schwerpunkte konzentrieren, in denen in Deutschland eine vorbildliche Systembildung im Mesoraum stattgefunden hat, so daß Politiken, Institutionen, Instrumente und Humankapital im internationalen Vergleich besonders leistungsfähig sind.

    Während der Evaluierung wurde deutlich, daß die Entwicklungsländer die technologische Zusammenarbeit mit Deutschland in den Bereichen für besonders interessant halten, in denen deutsche Angebotsstärken bestehen. Dies gilt z.B. für die duale Berufsausbildung, MNPQ, Förderprogramme für FuE in Unternehmen und Erfahrungen mit produktiven Formen der Kooperation zwischen Staat, dem privaten Sektor und gesellschaftlichen Gruppen (public-private partnership) im Rahmen von dialogorientierten Wirtschaftspolitiken.

    Solche Elemente der Systembildung im Mesoraum können nicht einfach kopiert werden; vielmehr wird nur eine vorsichtige Einpassung zur Strukturbildung im Nehmerland beitragen. Letzteres kann in den genannten Bereichen ein spezifisches Profil nur schrittweise und bei wachsenden Eigenanstrengungen aufbauen. Auch aus diesen Gründen sollte ein profilierter deutscher EZ-Beitrag nicht aus verstreuten, vielleicht sogar zeitlich eng begrenzten Einzelprojekten bestehen.

    Mit der Entwicklung eines prononcierten deutschen Angebotsprofils würden sich die vielfältigen Interessen der großen Zahl von Akteuren im Nehmer- und im Geberland nicht mehr in zahlreichen, höchst unterschiedlichen Anfragen, Anträgen und Projekten niederschlagen; vielmehr würden gemäß der deutschen Angebotsstärken und in Absprache mit anders spezialisierten Geberinstitutionen aus anderen Industrieländern in wenigen zentralen Bereichen fachliches Know-how gezielt eingesetzt, um auf solide Art komplexe Aufgaben zu lösen.

    Die Nehmerländer können unter solchen Voraussetzungen spezifische und klar umrissene Anträge auf Unterstützung stellen. Bisher sind ihre Institutionen, welche die EZ beantragen und koordinieren, häufig im eigenen Lande isoliert und zudem überfordert. Auch von daher ist ein Zuschnitt des deutschen EZ-Beitrages auf den Bedarf des Nehmerlandes schwierig.

    Stärkung der nationalen Strategiefähigkeit in den Nehmerländern

    Eine solche Orientierung auf signifikante Projekte und Schwerpunktbildung könnte einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der nationalen Strategiefähigkeit in den Nehmerländern leisten:

    1. Eine strategische Sichtweise auf Projekte erhöht auf der Nehmer- und der Geberseite die Notwendigkeit, über tragfähige Konzepte und Strategien zur Entwicklung von Politiken in den jeweiligen Sektoren nachzudenken, während die bisherige Praxis oft die Binnenperspektive der Projekte überbetont. Einige BMZ-Sektorpapiere (z.B. zur Beruflichen Bildung), die neueren Überlegungen zu einer breitenwirksamen KMI-Förderung und die Länderkonzepte stellen eine gute Ausgangsbasis für eine solche Neuorientierung dar.

    2. Schwerpunktbildung und Signifikanzorientierung führen dazu, daß Konzepte, Ziele und Instrumente der EZ für Nehmer und Geber überschaubarer werden. Auf dieser Grundlage werden ein fruchtbarer Wettbewerb zwischen unterschiedlichen Konzepten und Lösungsstrategien sowie systematische Suchprozesse nach länderadäquaten Problemlösungsmustern überhaupt erst möglich. Zudem wird die Geberkoordinierung durch Schwerpunktbildung und ein höheres Maß an Überschaubarkeit vereinfacht.

    3. Statt dem bisher häufig üblichen Nebeneinander kaum aufeinander abgestimmter Politiken unterschiedlicher Geber in ein und demselben Sektor eines Nehmerlandes und einem damit einhergehenden hohen Grad an Beliebigkeit und Unübersichtlichkeit hinsichtlich der Formulierung von Sektorpolitiken und der Ausgestaltung des Mesoraums bestünde so die Chance, institutionellen Pluralismus in geordneten Bahnen zu ermöglichen.

    4. Im Falle der technologieorientierten TZ ergibt sich die Notwendigkeit eines auf Strukturbildung und Vernetzung ausgerichteten Ansatzes aus dem zugrunde liegenden "Vier-Säulen-Konzept" von technologischer Kompetenz. Vieles spricht dafür, daß die auf den Bereich der technologieorientierten TZ bezogenen Überlegungen - Überwindung einer zu engen Projektsicht, Signifikanzorientierung und Schwerpunktbildung - auch für andere TZ-Bereiche von Bedeutung sind.

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